Finney Prom '03

Um einmal aktiv gegen das allgemeine Vergessen, groesstenteils mein eigenes vorzugehen, schreib ich mal schnell meine Erinnerungen vom Finney Prom http://www.larsmensel.de/2003 nieder, solange ich noch alles frisch im Gedaechnis habe.
 

Alle Bilder wurden uebrigends mit einer Wegwerfkamera gemacht und beeindrucken insofern nicht durch Qualitaet.

Also, alles fing, wenn man es genau nimmt, vor einem halben Jahr an.
Ploetzlich und fuer mich eher ueberraschend wechselte das Gesprachsthema (insbesondere das der Maedels) von den ueblichen Gesprachsthemen auf das Thema Prom, der amerikanische Abschlussball fuer Juniors (11. Klasse) und Seniors (12.) Klasse.

Ohne einen besonderen Grund wurde ich nun von aller Art Leute gefragt, mit wem man denn zum Prom zu gehen gedenke, was ich anziehen wuerde etc.
Und das Ganze im Dezember, wo der Prom noch gut und gerne 4-5 Monate weg war, was meine beliebte Abwehrreaktion ausloeste und ich das ganze einfach nicht ernst nahm und es im Grunde genommen auf die leichte Schulter nahm.. wie man das eben so macht.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings zugegebendermassen eh nicht grossartig eine Idee, was denn da nun passieren sollte, mein Wissen beschraenkte sich im Prinzip darauf, dass man sich ein Date sucht, sich ganz nobel anzieht und dann anschliessend in irgend einer art Spass hat. Wer sich nun vorstellt, dass das ganze in American Pie-artige Zustaende ausartet hat die christliche Mentalitaet nicht ganz verstanden, was mache Leute im Endeffekt angestellt haben weiss ich aber ehrlich gesagt auch nicht.

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Bob hilft mir beim Anbringen der Fliege
Ich hatte mir also schon dank meiner Eltern weiser Vorraussicht einen Smoking (eng.=Tuxedo) aus Deutschland mitgebracht, was mir so ziemlich das Denken und das grossartige Vorbereiten abnahm, wahrend alle anderen sich also gegenseitig ueber den Prom nervoes machten, lief ich noch froehlich unbeschwert herum und dachte so ziemlich nie dadran, bis zu dem Tag, als mir Beth erzahlte, dass sie jetzt ein Promdate habe.

Ahnungsloserweise hatte ich natuerlich wieder angenommen, dass das mit dem Date suchen ja wohl auch noch ne Weile hin sei (zeitlich befinden wir uns jetzt so Ende Februar) und mir wurde schlagartig bewusst, dass meine beste Freundin aus der Schule (die ich immer als potentielles Promdate im Hinterkopf gehabt hatte) ploetzlich vergeben war, weil ich in der ueblichen Art und Weise geschlafen hatte.

Nun stand ich vor dem Problem, dass ich die uebrigen Maedchen in der Schule entweder nicht fragen wollte, weil ich mit ihnen nun wirklich nicht grossartig was zu tun hatte, oder nicht fragen konnte, weil sie bereits vergeben waren.
Schliesslich war es dann wieder Beth, die mir aus der Situation heraushalf, indem sie mir vorschlug, ich sollte doch mit ihrer Freundin Rachael gehen, die ich schon ein paar mal vorher getroffen hatte, aber nicht auf meine Schule geht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich fragte Rachael schliesslich ein paar Tage spaeter auf der Geburtstagsfeier von Beth's Bruder (ja, es wird langsam kompliziert), ob sie denn mit mir zum Prom gehen wollte und den Nerv haette, sich mit einem deutschen Kind abzugeben, was nicht die geringste Ahnung davon hatte, was da denn nun ablaufen sollte. Wollte sie.

Kurzer Zeitsprung zu letztem Montag.

Langsam wurde es ernst, ich hatte mittlerweile ein kleines Blumengesteck bestellt, was das Maedel in guter Tradition am Handgelenk traegt, musste mir irgend eine Fahrlegenheit besorgen (denn von meinen Hostparents wollte ich ja nun auch nicht gefahren werden und mir dann auf dem Weg deren Promerinnerunen anhoeren... ).

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Kollektives Blumenanstecken

Wir hatten am Mittwoch Jahrbuch Deadline, insofern musse ich sowohl Montag, Dienstag als auch Mittwoch nach der Schule fuer gut 2 Stunden dableiben um das Teil denn nun endlich fertig zu kriegen.

Unattraktiverweise, faellt mir gerade auf, rede ich hier von kaum etwas anderem als meiner Ahnungslosigkeit.

Am Mittwoch nachmittag fiel mir dann ploetzlich auf, dass Mrs. Ross, ihres Zeichens meine Jahrbuchadvisor(in), nie den angekuendigten Tanzcrashkurs durchgezogen hatte und sich meine Tanzkuenste ja dank eines nie belegten Tanzkurses *hust* eher aufs rhytmisch zur Musik rumschunkeln/den-'Rasenmaehrer'-machen beschraenkten.

In kompletter Panik hatte ich schon grauenhafte Wahnvorstellungen, dass das unausweichlicherweise jemand herausfinden wuerde und ich als unattraktiver nicht-tanzender Kulturbanause dastehen wuerde... was ich nun im Endeffekt tue, dadurch, dass ich das hier veroeffentliche. Immerhin in Deutsch.

Hier kam dann wieder die Privatschule und die Student-Teacher Relations zum Einsatz, als sich Mrs. Ross bereiterklaerte, mir am Donnerstag Abend einen kleinen Privatkursus zu geben und mir krampfhaft ein wenig Tanzskills beizubiegen, so, dass ich am Freitag dann doch tatsachlich ein wenig Walza und Samba tanzen konnte, oder zumindest das Gefuehl hatte, nicht mehr ganz als Versager dazustehen.
Die Vorstellung sich abends von einer Leherin das Tanzen beibrigen zu lassen, hoert sich fuer die meisten Leute jetzt, verstandlicherweise eher seltsam an- aber das ist fuer meine Schule nicht grossartig was besonderes, Rachael war dennoch die einzige Person, der ich schliesslich davon erzahelt habe.

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Trevor, Anthony, John and me
Freitag war der grosse Tag da, im vorherein hatte es schon gross Geruechte gegeben, dass die meisten Juniors und Seniors skippen wuerden, die Maedels mit der guten Ausrede, dass sie sich ja das Haar machen lassen mussten (2-3 Stunden), dann das Gesicht professionell schminken lassen muessten (1 Stunde) und sich schliesslich in das eigens dafuer gekaufte 200$ Kleid reinzwaengen (zu lassen).

Praktischerweise braucht man als maenliche Person nicht halb so lange und bleibt dann einfach nur so aus Spass an der Freude zu Hause... und, ja, weil Matrix Reloaded im Kino ist.
Meine Gasteltern hatten aber schon Wochen im vorraus angedroht ich muesse definitiv zur Schule gehen, no questions asked.

Um der drohenden Steinigung zu entgehen und den boesen Blick meiner Gastmutter im Hinterkopf, war ich schliesslich den ganzen Tag in der Schule, zum anfang des Tages hatten wir sensationelle 12 Leute aus der Senior Class da, eine Anzahl, soklein wie sie auch was, die zur 8. Stunde garnicht uebrerraschend auf 2 (eine davon ich) zusammengeschrumpft war. Dank meiner duirchgehend gecancellten Klassen liess ich mir dann in einem ploetzlichen Schoenheitstrip von Mrs. Ross das Haar mit ein paar suendhaft teuren Haarprodukten von ihr stylen, die meine Frisur ueberraschenderweise nicht nur 3 mal so gross, sondern auch steinhart, dennoch feierlich machte.

Meine gigantischen Haarpracht mit einem Spanishbuch gegen den Regen abschirmend (was ist schon Lernen gegen gutes Aussehen?), rannte ich nach der Schule draussen auf den Parkplatz, wurde da von Bob aufgesammelt und fuhr zu einem Blumenladen Downtown, holte ein obligatorisches Blumengesteck fuer Rachael ab, von da aus dann nach hause. Dort angekommen warf ich die Red Hot Chili Peppers in den CD Player und veranstaltete eine ritualartige Zeremonie, die mich von einem 17 jaehrien High Schooler in Trainingshosen und T-Shirt mit Nerd Curtain Aufdruck in einen feierlich- und gutaussehenden jungen Mann mit Rosa Hemd, schwarzem Smoking und einer schwarzen Fliege verwandelte. Zumindest kam ich mir dementsprechend vor, waehrend ich halbnackt singend vor dem Spiegel auf und abstolzierte.

Den Verwandlungsprozess wiederzugeben wuerde die Laenge des Textes sprengen, allerdings beinhaltete er ein paar auesserst frustrierende Erlebnisse mit einem Buegeleisen auf der flaschen Temperatureinstellung, genau dem Teenager, diesmal frustriert eine halbe Stunde auf und ab buegelnded und schliesslich an der kritischen Grenze zum Rotz-und-Wasser heulen; einer Menge Zahnpaste ("Lars, the most important things are breathmints and deodorant") und diversen anderen chemischen Produkten.

Zuguterletzt fragte mein Hostvater mich, was in aller Welt ich denn seit knapp andertalb Stunden bei ohrenbetaeubender Musik auf dem Dachboden veranstaltet hatte und das es Zeit zum gehen war, ich schnappte mir meine Dose Starbuck's Mints, die ich vorm verlassen der Schule aus Mrs. Rosses Buero entwendet hatte und los gings.

Wir fuhren zum Haus von John Cannon, wo ich und ein paar andere Leute aus meiner Schule dann das erste Mal unser Date in voller Montur sahen, wie steckten uns gegenseitig Blumen ans Handgelenk/an den Smoking und wurden grob geschaetzt 200 Mal von begeisterten Eltern fotografiert. Das Ganze hatte sehr den Charackter einer Hochzeit, insofern waren wir (Trevor& Beth, John& Jenn, Anthony& Claire und Rachael& Ich) schliesslich ganz froh, als wir in Trevor's Van stiegen und endlich zum Prom fuhren.
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Anthony, Claire, Rachael, Lars, Jenn, John, Trevor, Beth


Der eigentlich Prom war nicht halb so verrueckt wie die Vorbereitungen (und das, obwohl ich allen ernstes kaum ins Detail gegangen bin), er war der Muehe aber auf jeden Fall wert.
Bei unserer Ankunft im Holidome in Henrietta hielt mir eine mir eher unbekannte Person ploetzlich einen Camcorder ins Gesicht, ich stammelte einige eher sinnlos improvisierte Sachen vor mich ihn und fand schliesslich heraus, dass es sich bei der Person hinter der Kamera um Rachael's Grossmutter handelte, die mich jetzt unausweichlich als einen Idioten in Erinnerung behalten wird, der auf seine Uhr guckt um herauszufinden welches Jahr wir haben um das ganze dann lauthals vor der Kamera bekanntzugeben.
Der Prom lief danach relativ simpel ab, wir hatten Essen und spielten zur Aufheiterung ein Kennenlernspiel an unserem Tisch, obwohl wir uns groesstenteils kannten, machten eine paar Bilder, liessen uns professionell fotografieren (bevor wir vom Tanzen verschwitzt/vertranspiriert O_o aussahen), fuhren den Fahrstuhl auf und ab (was sein muss muss sein) und verbrachten die folgenden 3 Stunden so ziemlich in einer art Tanzekstase, die ich nur schwer beschrieben kann.
Meine am Vortag erlangten Tanzkuenste kamen zwar kaum zum Einsatz, allerings war das auch garnicht gross noetig, weil im gesamten Raum nicht eine einzige Seele auch nur die geringste Ahnung vom Tanzen hatte und jeder halt in seiner eigenen Art und Weise vor sich hingerockt hat. Meine eigentliche Performance werd ich mir spaeter auf dem Promvideo angucken koennen, denn die Erinnerungen beschraenken sich groesstenteils dadrauf, dass ich vor der "Lars" Sprechchor Menge spaeter die Nummer mit dem Rasenmaehrer zu einem Michael Jackson Song abgezogen hab (Ina, was hast du mir da beigebracht?), mit Rachael zu Ricky Martin abgerockt habe (jaja) und einfach generell ne Menge Spass hatte.

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Risi, Beth, Rachael
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Wag, Seth, Lars, Paul
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Megan & me

Ungluecklicherweise wiess das Gebaude offentsichtlich keine Klimaanlage auf, so dass wir spaeter, wie ein Tier schwitzend in unserer trendy Edelkleidung zum Abkuehlen nach draussen mussten.
Vom ganzen Rumschreien und Lieder mitsingen verlor ich zum Ende des Abends meine Stimme und hoerte mich den Rest des Abends, wenn ueberhaupt, wie Vin Diesel an.
Zum Abschluss spielten sie noch ein Lied (“As we go on we remember”), alle Seniors standen beisammen, eine heuelten ein wenig halbherzig herum- denn trotz des offensichtlichen ABSCHLUSSballes blieb uns ja noch eine Weile zusammen in der Schule, bis wir getrennte Wege gehen.
Ich bin nicht in der Lage jetzt noch einen Absatz zu schrieben, ohne ihn mit “dann” einzuleiten- die Schreibfaehigkeiten gehen mit der Laenge das Aufenthaltes hier immer mehr verloren.
Letztendlich verbrachten wir mit 15 Leuten oder so eine Stunde in einem Diner, assen gute amerikanische Fruehstueckskost in der Mitte der Nacht und kamen schliesslich nach einer reichlich improvisierten Suchaktion zu Hause an, wo ich mich von Rachael verabschiedete und dann ins Bett fiel.

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Paul, Heidi, John, Lars, Rachael, Mary
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Paul, Heidi (being happy), John @ Denny's
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Heidi, John, Seth (sound asleep) while waiting

Rachael, Lars, Bob, Rosemarie
Nathan, Gina, Rachael & Me (in the foreground)