16.04.03
Wer jemals in Amerika eine Nacht in einem guten,
amerikanischen Bett verbracht hat, stellt spaetestens
mitten in der Nacht, wenn er voellig kalt und verknotet
in 25 verschiedende Bettlaken aufwacht, fest, dass
hier etwas bedeutend anders ist als in Deutschland.
Hatten wir doch schon seit Jahrzehnten ueber die Franzosen und ihre kranke
Nackenrolle gelacht, die das Schlafen fuer einen normalen Menschen gaenzlich
unmoeglich macht, weil man im Laufe der Nacht sich so dreht, dass die kleine
Rolle sich entweder vom Bett verabschiedet, oder sich so verschiebt, dass man
zwar immernoch draufliegt, aber bestimmt nicht mehr mit dem Nacken.
Vielleicht geht es allerdings nur mir so.
In Amerika, dem angeblich technisch am meisten fortgeschrittenden Land sind
die Leute an ein anderes, reichlich kurioses System gewoehent: Auf dem eigentlichen
Spannbettlaken liegt ein unglaublich duennes Stueck Stoff, was von der Laenge
ein wenig ueber das Kopfkissen hinausreicht. Auf diesem Laken liegen dann
je nach Kaelte eine bestimmte Anzahl Wolldecken (ich schlafe mit einer eitergelben
und einer hellblauen zum abdecken). Diese Wolldecken sind ungefaehr so wie
die Ueberdecken in einem Hotel und werden grundsatzlich nie gewaschen, was
an sich kein Problem waere, denn das duenne Laken wird uebergeschlagen, so
dass man ungefaehr zehn Zentimeter der Decken abdeckt.
Da das Laken laufend gewaschen wird kann man es gefahrlos im Gesicht rumhaengen
haben und mit Herzenslust drauf rumsabbern, ohne Gefahr zu laufen am naechsten
Tag mit einem ekligen Ausschlag im Gesicht aufzuwachen.
Diese Konstruktion wird nun an den Seiten des Bettes unter der Matraze festgesteckt,
so, dass man, wenn es Zeit ist ins Bett zu gehen, sich in einem muehseligen
Akt von der Oeffnung unterhalb des Kopfkissens reinzwaengen muss. Liegt man
schliesslich im Bett, stellt man fest, dass man so keine Luft bekommt und pflueckt
das Laken und die Wolldecken kurzerhand wieder von unterhalb der Matratze raus.
Nun hat man das folgende Problem, dass man unausweichlich irgendwann entweder
an dem Laken am Kopfende zieht und dann mit den Fuessen in der kratzigen Wolldecke
drinhaengt, oder, dass man mit dem Fussende an dem Laken zieht. Sollte man
so wie ich ueber 1.80m sein heisst das, dass man nun die Fuesse nurnoch unter
dem Laken hat aber die Decken sich in irgend einer unerklaerlichen Grunde nach
oben, was heisst ins Gesicht verlagert haben.
Hat man nun irgendwann die ideale Deckenlage gefunden und liegt in foetaler
Lage eng an sich selbst geklammert im Bett, so dass man nichts verschiebt schlaft
man ein.
Da der Mensch sich aber im Schlaf durchschnittlich 17 Mal rumdreht kann, oder
wird man unausweichlich irgendwann aufwachen und feststellen, dass man gerade
die Laken und die Decken in einen wundervollen Zopf verflochten hat; die Decken
auf der einen Seite der Bettes liegen hat und selbst nurnoch unter dem Laken
liegt oder man- Gott bewahre- nurnoch unter einer der Decken liegt, waerend
das Laken zusammengeknuellt am Fussende ein trauriges Dasein fristet.
Warum noch niemand auf die selbe Idee gekommen ist wie in Deutschland ist mir
unklar. Wie ihr aber sehen koennt, habe ich schon einige hundert Naechte ueberlebt...
immerhin geht man mit dem Gefuehl ins Bett, dass man nie weiss, mit welcher
Decke man aufwachen wird.
14.04.03
In meinem kleinen Austauschschuelerhandbuch steht
irgendwo ein kleiner Absatz ueber das Leben in
der Vereinigten Staaten, der es mir besonders angetan
hat. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich
das gelesen habe, aber es heisst dort so etwa: "Das
Ziel ist einen festen Freundeskreis aufzubauen,
der dich wie selbstverstandlich in ihre Aktivitaeten
mit einbezieht."
Aus irgend einen Grund hab ich diese Zeile laufend im Hinterkopf... hab ich
das erreicht?
Meine Schule sah ich zum ersten mal auf einer Art Vorbereitungstreffen fuer
die Senior Class, ich kannte absolut niemanden, steh nur so rum und werd ein
paar Leuten vorgestellt, mit denen der letzte Austauschschueler meiner Gastfamile
befreundet war. Vielleicht liegt es ja an dem hormonversetzten Rindfleisch
in Hamburgern, der schlechten Beleuchtung in dem Raum, wo ich alle zum ersten
mal sah, meiner Verunsicherung (ja, das versucht man sich monatelang einzureden,
dass man ein toller Typ und absolut willens und in der Lage sei auf Leute zuzugehen
und Freunde zu machen, trotzdem ist man schuechtern) aber irgendwie kam mir
an dem Tag jeder ungefaehr 3 Jahre aelter vor als ich. Ich fuehlte mich wie "das
neue Kind" oder anders gesagt "Hi, I'm Lars, I come from a country
far, far away and I'm 12 years old. How are you?".
Meinen ersten Tag in der Schule hab ich nicht wirklich in Erinnerung, ich weiss
aber, das ich mir irgendwie komisch vorkam. Als ich dann auch noch einem Kerl,
dem ich den Tag vorher vorgestellt wurde einen guten Morgen wuenschte und er
laut loslachte "Har, he said 'good morning'" wars das dann erstmal.
Als ich am Abend im Bett lag kam ich mir vor wie das 5. Rad am Wagen "Was
mach ich hier? Ich will nach Hause. Baeh." Ich nahm mein Handbuch zur
Hand und blaetterte ein bisschen herum, bis ich den "Was mach ich hier?
Ich will nach Hause. Baeh."-Abschnitt fand, in der Hoffnung irgend eine
tollen Ratschlag zu finden. Aber alles was sie sagten war "Mach dir keine
Sorgen, das geht vorrueber." "Na Klasse", dachte ich mir. "In
einem Jahr?"
Wir haben heute den 15.4.03, sieben Monate und ein paar Tage spaeter und wie
siehts aus? Das Handbuch hatte recht. Ich habe zwar keinen Freundeskreis, "der
mich selbstverstandlich in seine Aktivitaeten mit einbezieht", aber
definitiv einen wirklich netten Freundeskreis, zugegebenermassen besser,
als ich es mir vorgestellt haette.
Bevor ich hier her kam, hatte ich eine Menge Berichte anderer Austauschschueler
gelesen die von von einer art Ueberjahr sprachen, hemmungslose Freude uebers
hiersein 24/7. Es ging soweit, dass ich mir vorstellte, wie der Austauschschueler
waehrend eines Englischtests ploetzlich aufsteht, sich umguckt "Mensch
is das geil hier."
Und natuerlich konnte es nicht es nachvollziehen. Ich freute mich schon irgendwie
auf das Abenteuer, andererseits kam ich hier her und dachte mir "Naja,
die hauptsache ist, dass du die Sprache lernst"
Mittlerweile, ungefaehr 7 einhalb Monate spaeter, kann ich die ganze Geschichte
ploetzlich verstehen. Es ist nun nicht so, das man einen gigantischen Tag nach
dem anderen hat, rund um die Uhr von Leuten unterhalten wird und laufend sein
Lieblingsessen gekocht kriegt, aber es sind die kleinen Dinge, die sich einfach
aufaddieren.
Ich erreichte dann irgendwann einen Punkt (vielleicht war es waherend eines
Englischtests) wo ich mir dachte "Hmm ich war jetzt schon so lange hier...
und es kommt mir gar nicht nach so viel vor."
In Buechern (fuer die unter euch die wirklich Buecher lesen) wird immer mal
wieder davon gesproechen, wie einem ploetzlich das Leben vor den Augen vorbeizieht,
in meinem Falle warens ein paar Monate aber es ist schon recht eindrucksvoll.
Ich dachte also ueber all die Sachen nach die schon passiert sind, meine Ankunft,
meine ersten Tage in der Schule, die Fussball und Basketballsaison (mit Highlights
wie meinem Punkt waherend des Spiels gegen Lima, oder den Tiefpunkten wie endlose
Stunden auf der Ersatzbank), meine Freunde hier etc.
Ich habe einfach eine ganze Menge gelernt- nicht nur die Sprache, sondern auch
richtig banale Dinge, die "Unabhaengigkeit von Mama und Papa": Sandwich
fuers Lunch machen, Waesche waschen, buegeln lernen, einfach alles.
Das wichtigste ist aber, dass ich gelernt habe, die kleinen Dinge, die einfach
so passieren zu geniessen: Leute, die mir erzaehlen, dass sie mich wirklich
gern haben und mich vermissen werden, wenn ich wieder zu Hause bin; Einfach
nur rumsitzen und mich mit Leuten zu unterhalten und irgendwelche Insiderwitze
zu machen; im Bus zu sitzen und mich mit Paul ueber Macs zu fachsimpeln, ram
zu unterhalten; auf einen Fieldtrip der Foto-Class oder Art Histroy Class mitzukommen
und einfach dazuzugehoeren, obwohl ich die Klasse nicht mal belegt habe; einfach
jeden in meiner Schule zu kennen und eigentlich
16.3.03
Des Austauschschuelers Leben wird mit fortschreitendem
Jahr zwar in vieler Hinsicht einfacher, andererseits
ergibt sich ploetzlich eine voellig neue Herausforderung-
der sich viele Leute garnicht klar sind.
Ich spreche hier von einer groesstenteils verschwiegenden Erwartungshaltung,
dem Grund, warum die Austauschorganisationen "Ihr Kind kommt wieder nach
Hause" Seminare anbietet.
Nachdem ich seit gut 2 Monaten ueberlegt habe,
was ich denn bei meiner Rueckkehr anziehen werde,
wie ich verhindern koennte, dass sich mein sorgsam
gestyltes Haar sich waehrend der 8 Stunden im Flugzeug
aufloest und ich am Ende aussehe... nun, wie jemand
der 8 Stunden lang geflogen ist, fiel mir gestern
Abend auf, dass die wirklich drastischen Veraenderungen
ja weniger in der Kleidung sondern eher bei den
koerperlichen Merkmalen liegen.
In dere Hinsicht hab ich schon einige (durchaus
ergreifende) Geschichten gehoert: Ein kleiner,
schuechternder, rothaariger Junge faehrt fuer ein
Jahr weg und kommt mit schwarz gefaerbten Haaren
und einer voll entwickelten Bodybuilderstatur wieder
nach Hause. Am Flughafen erschreckt er seine Eltern
nach anfaenglichen Wiedererkennungsproblemen dann
auch noch mit einer komplett anderen Persoenlichkeit.
Und seien wir ehrlich: Veraenderungen ohne elterliche
Kontrolle sind doch eigentlich der wahre Grund,
warum wir in ein anderes Land fahren.
Ohne Gejammere von den Erziehungsberechtigten werden die Haare gefaerbt, Augenbrauen
rasiert und sich irgend ein abartiger Bartwuchs zugelegt, so im Sinne einer
Kreuzung zwischen Kotletten und Ziegenbart-look. Der brave Junge kommt als
Punk wieder, der Britney Spears Fan als Heavy Metaller etc.
Ich betrachtete mich nun also im Spiegel. Vom
Bartwuchs war aufgrund taeglicher Rasur nicht allzuviel
zu sehen und aus Erfahrung wusste ich auch, dass
die letzten 3 Monate fuer mich nicht ausreichen
um irgend eine erwaehnenswaerte Gesichtsbehaarung
heranzuzuechten. Von der Bodybuilderfigur mal ganz
abgesehen.
Man hat es nicht leicht als Kind in einem anderen
Land.
27.02.03
Das die Amerikaner absolut alles
mit Erdnussbutter essen, ist ja fuer die meisten
von uns schon kein Geheimnis mehr. Ruecksichtslos
werden saftige Aepfel in Erdnussbutter getaucht,
und ganze Festmaehler kulinarisch mit dem braunen
Zeug vergewaltigt. Die wichtige Fragen im Leben
lauten halt nicht "Wo kommen wir her? Warum?
Wo ist Deutschland? Haben sie da auch den Mond?" sondern "Coke
oder Pepsi", "Diet oder Regular",
Sugar oder artificial sweetener" und halt
auch "Crunchy oder Creamy?"
Wir Europaer haben das mittlerweile akzeptiert,
sollen sie doch machen, was sie wollen, uns egal.
Ein paar zarte Gemueter sind bei dem Gedanken an
Peanut Butter auf Wurstbrot immernoch ein bisschen
angewidert, aber seinen wir ehrlich: Diese Art
von Leuten sind doch Verlierer, die Lappen der
Gesellschaft.
(Nicht, dass wir viel besser waeren, dank Pulp Fiction weiss der Durchschnittsamerikaner
von der Praxis Pommes mit Mayonaise zu essen, trotzdem konzentrieren wir uns
hier doch lieber auf die Amerikaner)
"Hmm, Thunfischsalat... Erdnussbutter muss gut damit schmecken. Mochtest
du auch welche? Warum guckst du mich so komisch an?"
Neulich sass ich in meiner Study Hall und machte
meine Geschichtshausaufgaben, als ein Maedchen
mir gegenueber ploetzlich einen Peanutbutter-Jelly
Sandwich aus dem Rucksack zieht. (Ich fuer meinen
Teil hab mich immer gefragt, warum die Dinger denn
nicht irgendwie aestaetisch eingepackt werden koennen,
aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund wird
das labberige Brot immer in einen zu kleine durchsichtige
Plastiktuete gesteckt, so, dass die Marmelade an
der Seite herausquillt. Ein Misterium fuer mich,
aber was solls).
Wie auch immer, sie beisst also in den Sandwich
und ich sage "Hey, hattest du mir nicht gerade
gestern erzaehlt, dass du nur gesundes Essen isst?!" "Oh,
das hier ist gesund, das ist keine echte Erdsnussbutter,
sie ist aus Sojabohnen gemacht."
AHA!
Die folgenden Tage verbrachte ich mit dem konzentrierten
Studieren von Zutatenslisten auf Dietprodukten
und fand schliesslich heraus, dass absolut ALLES
aus Sojabohnen hergestellt wird, was irgendwie
die Aufschrift Diet traegt, das geht von einfachen
Sachen wie Muesliriegeln etc. ueber auf Milch,
Baconchips etc.
Und ich dachte, der Gedanke, Schinken aus Pute herzustellen sei irgendwie krankhaft
("Hey, bitte schneide ein wenig Schinken von der Pute ab").
Schmecken tuts genauso. nicht nur der Schinken ist taeuschend echt, die Baconchips
schmecken nach Baconchips und nach Angaben von Erin in der Study Hall nun auch
die Erdnussbutter.
Nicht nur, dass irgendwo in den USA gigantische,
bis zum Horizont reichende Sojabohnenfelder existieren
muessen, um die Nachfrage zu befriedigen (soweit
das Zeug nicht aus irgend einem Dritteweltland
importiert wird), nein, die Vorstellung Sojabohnen
Ernussbutter auf ein anderes aus Sojabohnen hergestelltes
Dietprodukt zu schmieren kommt mir doch irgendwie
arg krank vor. Vielleicht geht es aber nur mir
so.
In diesem Sinne,
Lars
8.2.03
Momentaufnahmen.
Wir spielen ein Basketballspiel gegen ein Team
namens Lima Christian und sind ungluecklicherweise
unglaublich am verlieren.
Die Sporthallte der Schule ist "tiny",
wenn man auf der Bank zitzt muss man die Fuesse
einziehen, um nicht den Court zu beruehren, es
ist Lima's Homecoming, dementsprechend viele Leute
da, ungefaehr ein drittel Schuyeler und Eltern
von meiner Schule.
Ich sitze gerade auf der Bank und rede mit Aaron
Wagner, einem meiner Teamkollegen ueber das Spiel,
als einer unserer Spieler gefouled wird und, wie
das im Basketball nunmal so ist, 2 Foulshots hat.
"Wow", sag ich. "Being put on the foulline is one of the worst
things that could possibly happen to me..." Aaron: "Well, even if he
puts you in and you gotta do some foulshots- what's the big deal? If you miss
them nobody will remember and thats it. But if you put them in- everybody will
remember forever".
Bevor ich ueberhaupt etwas sagen konnte, merkte ich ploetzlich, dass im Hintergrund
ein "WE WANT LARS" Sprechchor ablief. Aufgrund der unausweiglichen
Niederlage dreht sich mein Coach um: "Lars, they want you, go in".
Schulterklopfen von meinen Teamkollegen, ich tierisch nervoes lauf auf den
Court.
Wie schon frueher mal erwaehnt komme ich nicht
wirklich oft ins Spiel rein, in der kleinen Sporthalle
ist die Freude also riesengross, es ist unglaublich
laut, alle bruellen und kreischen rum und ich mittendrin.
Ich hab ehrlich gesagt nicht viel von dem Spiel in Erinnerung, hoechstwahrscheinlich,
weil ich nur fuer knapp eine Minute drin war. Ploetzlich bekommte Derek den
Ball zugepasst, faengt ihn aber nichtl. einer der Lima Spieler greift den Ball
und laesst ihn fallen, er prallt vom Boden ab genau auf mich zu, ich schnapp
mir den Ball, denke "Yea, Lars, you actually got the ball!" Im selben
Moment foult mich ein Lima Spieler, der Schiedsrichter pfeift. Mir war zu dem
Zeitpunkt nicht zo wirklich klar, dass ich gefoult wurde, insofern stand ich
mit allen anderen Spielern nur fuer ne Sekunde rum, da bruellt unser Assistant
Coach "Lars, you got 2 freethrows", der Coach und Charlie bruellen "like
in practise!" und ich bin total von den Socken.
Ich werd jetzt versuchen das so genau zu beschreiben,
wie moeglich- in erster Liene dafuer, dass ichs
niemals vergessen werd :)
Ich laufe also zur anderen Seites des Spielfeldes
an die Foulline , in dem Moment sind die Finney
Fans nicht mehr zu stoppen, die Cheerleader sind
unglaublich laut. Ich erwische mich dabei bloed
zu grinsen und versuche einigermassen ernst auszusehen.
"S-I-N-K sink it Lars, sink it!" hoer
ich von den Cheerleadern, der Ref dribbelt den
Ball, wirft ihn mir zu "Two shots, go".
Ich dribbel den Ball 3 Mal (so wie Charlie mir
beigebracht hatte) dreh ihn in meinen Haenden,
werf- daneben. der Ref nimmt den Ball und ich starre
nur auf den Korb.
Jetzt im Nachhinein muss ich an die Formulierung "das
Leben zieht an einem vorueber denken" ich
dachte in dem Moment aber nur an die Soccer Season,
wo ich wesentlich oefter gespielt, aber ausser
einem Schuss an den Pfosten nie wirklich was zustande
gebracht hatte. In dem Moment sah ich nur das Team
in der Cafeteria sitzten und die Statistiken angucken-
ich war nicht einmal mit drauf.
Ich starre also auf den Korb und denke mir "This
is probably the only opportunity to score you'll
ever have". Ich dribble den Ball drei mal,
drehe ihn, werfe und er geht rein.
Es war schlichtweg unbeschrieblich, Derek kam
rueber, gratulierte mir, ich rannte zurueck zu
dem anderen Korb, bruellte nur "I FREAKIN" SCORED",
das Gym ist unglaublich laut, denn damit hatte
nun wirklich niemand gerechnet. Die letzten 20
Sekunden des Spieles nehm ich garnicht mehr richtig
war, dann summt der Summer, das Spiel ist zuende.
Josh aus meinem Team kommt auf mich zugerannt,
das ganze Team hinterher, ich werd umaermt, hochgehoben
mir wird gratuliert- es war nur ein Punkt aber
hey- ich bin mit abstand einer der schlechtesten
Basketballspieler den man sich vorstelllen kann,
hunderte von Leuten gratulieren mir, die Cheerleader
umarmen mich "YOU SCORED".
Mir fehlten ehrlich gesagt die Worte in Englisch.
18.1.03
Brrrrrrrrrr. Draussen haben wir ungefaehr -10
Grad (Celsius) und gut 15 cm Schnee, ich sitze
im relativ kalten Haus (vielleicht bin ich auch
kalt ), drinke warmen Tee und hoere Musik. Meine
Gasteltern sind gerade in der Kirche und mit nix
zu tun, niemandem im ICQ oder AIM und keiner neuen
Email kommt man sich dann doch mal ein wenig alleine
vor, insofern dachte ich mir ich koennte mal wieder
etwas neues schreiben, denn seit Dienstag bin ich
emotional in den 7. Himmel das Basketballspielens
aufgestiegen, denn mein Coach hat mir durchs einwechseln
in der sprichwoertlich letzten Minute die besten
(festhalten) 1,2 (!) Sekunden Spielzeit meines
Lebens beschert.
Ich habe das Ganze mal zum Anlass genommen um
eine kleine Rechnung anzustellen: Wir hatten Training
jetzt seit 2 einhalb Monaten, 5 Tage die Woche,
jeweils 2 Stunden 20 Minuten im Durchschnitt. Das
macht eine Gesamtzeit von 4 Tagen und grob 9 Stunden
Training. Soweit so gut. Gespielt habe ich schon
einmal vorher sagen wir mal eine Minute in einem
anderen Spiel, dazu kommen jetzt die 1.2 Sekunden
von Dienstag, was gesamt 61.2 Sekunden macht. Fuer
alle 1.7 Stunden Training krieg ich also eine Sekunde
Spielzeit, unglaublich!
Das mag sich jetzt enorm depressiv anhoeren, aber
im Gegenteil versuche ich immernoch meinen Spass
an der Saison zu haben: Grinsen und denken "All
you need is love, bro", wenn der Coach wieder
ausrastet oder trotz aller Frustration nach weiteren
32 Minuten auf der Bank zu denken: "Hey, you
are playing Varsity Basketball!" macht schon
mal einen grossen Teil aus.
Und was gibt es schoeners als im Auto zu sitzen
und mir von Brandigan anzuhoeren: "Lars, you're
gonna smoke the Germans at Basketball in PhysEd
at home"- LayUps gehen auf jeden Fall schon
mal nicht mehr daneben, Shots werden besser und
das Publikum bei den Spielen liebt mich: Wenn ich
tatsachlich mal eingewechselt werde, dann ist die
Hoelle los, nach jedem Spiel, was ich auf der Bank
verbracht habe kommen bestimmt 10 Leute um mir
auf die Schulter zu klopfen und mich erwartungsvoll
anzusehen. Ich setze mein Grinsen auf und sage: "Hey-
I did great. Didn't miss any layups, didn't miss
any shots, Coach didn't yell at me and I'm not
even exausted after the game any more- due to all
that practise."
Sie grinsen- "See ya in school tomorrow"
23.12.02
2 Mal werde ich noch wach… heissa? Hmm,
Weihnachten ist irgendwie seltsam dieses Jahr,
vielleicht liegt das an dem Plastikbaum im Wohnzimmer,
vielleicht daran, dass ich noch nicht das kleinste
bisschen Lebkuchen gegessen hab, vielleicht auch
dadran, dass der gute Weihnachtsmann in diesem
Jahr englisch spricht und ich schon von vornherein
so traumatisiert war, dass ich heute den Salvation-Army-Glocken-laeutenden
Herrn in rot darauf angesprochen habe, ob er echt
sei oder nicht. Das Ganze nur, um 5 Minuten spaeter
im Inneren der Mall einen zweiten Weihachtsmann
anzutreffen, der die Verwirrung komplett machte
und das Kind in mir leiden liess.
Ja, ich war in der Mall, 2 Tage vorm amerikanischen
Wihnachten, weil ich fuer meinen Hostfather noch
ein Weihnachtsgeschenk in letzter Minute erstehen
musste. Und wenn man sich langsam aber sicher zwischen
vom Weihnachtstress durchgeschwitzten Personen
mit gigantischen Einkaufstueten durchzwaengt, im
2 Sekunden Takt “excuse me” sagt und
danach am anderen Ender der Mall immernoch keine
Geschenkidee hat, dann erschliesst sich einem der
wahre Zauber des Weihnachtsfestes.
Ja, ich habs versucht. Ich habe mir sowohl Charlie
Brown Christmas als auch die Muppets Christmas
im Fernsehen reingezogen, alle 5 Minuten demonstrativ
aus dem Fenster in den Schnee geguckt und mir im
Dollar Tree eine Weihnachtsmannmuetze gekauft,
aber trotzdem kommt die gute alte Weihnachtsatmosphaere
nicht im Geringsten auf.
Zudem ist mir kalt und der Kommerzwahn im Radio geht mir auf den Geist. Ehrlich,
koennte man Kommerz nochmal eintueten und verkaufen- hier wuerde es im Radio
beworben werden.
24.12.02
Brr, braune Weihnachten soweit, draussen herrscht
Schneematsch und Wind.
Am Nachmittag ein Telefongesprach (schon das dritte,
seit ich hier bin J mit meiner Familie in good
ol’ Germany, drueben haben sie shcon alle
Weihnachtsgeschenke ausgepackt und das Weihnachtsessen
gegessen. Ich schmeiss die Weihnachts-CD in den
Player und ess einen Jogurt.
Morgen planen wir ins 2 Stunden entfernte Syracuse
zu fahren und dort frohelich Turkey zu spachteln-
erinnert irgendwie an Thanksgiving. Diesmal gibts
aber als Festmal Lasange dazu.
Vorher pflegen wir die brave Christentratition
und gehen in die Kirche, aber nicht ohne vorher
einen Park zu besichtigen (=mit dem Auto durchzufahren),
der mit allen moeglichen Weihnachtslichterketten,
Figuren und Symbolen (die amerikanische Flagge)
beleuchtet ist.
Schnell lass ich noch ein Bild von mir mit einem leuchtenen Weihnachtsbaum
schiessen, dann gehts weiter zur Kirche.
25.12.02
Und der grosse Tag war endlich da. Er begann damit,
dass mein Hostfather die Stufen zu meinem Dachboden
hochkletterte um mir zu berichten, dass wir nicht
nach Syracuse fahren wuerden- der Blick aus dem
Fenster zeigte mir ganz schnell warum: Ueber Nacht
hatte es gut 15 cm geschneit und wie konnten das
Auto wohl nicht mal aus der Garage rauskriegen.
Innovativerweise schlug ich neue Schneebefreiungsmoeglichkeiten
a la Foen mit Verlanegerungsschnur vor, wir einigten
uns jedoch darauf, spaeter den Weg freizuschaufeln.
Und wieder einmal geb ich nicht-wissenden eine
weitere kleine Einfuehrung in amerikanisches Kulturgut:
Weihnachten ist im Land der Unbegrenzten Moeglichkeiten
am 25. Dezember und man packt seine Geschenke am
Morgen aus. Wusstet ihr wahrscheinlich schon. Das
normale Ami-Kind steht aber schon so gegen 4 oder
5 Uhr morgends auf und schlaegt Krach, damit die
ganze Familie nach viel zu wenig Schlaf sich ins
Wohnzimmer zum Auspacken quaelt.
Da ich hier ja gewissermassen ein Einzelkind bin, hatte ich mir urspruenglicherweise
vorgenommen, genau dasselbe zu machen, wachte aber erst um 10 auf.
Meine Hostmum, ihres Zeichens chronische Langschlaeferin, war auch an diesem
Tag nicht vor 12 Uhr ansprechbar, insofern machte ich es es mir auf der Coach
bequem und guckte mir ungeheuer weihnachtlich “Blade Runner” auf
Video an. Als ich damit fertig war, gings dann auch schon ans Auspacken.
Was hatte ich bekommen? Einen Bademantel, genaeht
von meiner Gastmutter; einen Schal mit der amerikanischen
Flagge als Motiv (ebenso hangenaeht); 3 T-Shirts;
eins mit dem Aufdruck “Cooperstown NY” (surrender.de
insider wissenvon unserem Trip dahin :); eins mit
dem Aufdruck “California” von den in
California lebenden Eltern meines Gastvaters und
noch eins von ihnen, diesmal aber mit Bild von
einem San Francisco Cable Cart und dem Schriftzug “San
Francisco, CA”; eine Amerika-Lampen Lichterkette,
die jetzt meine spaerlich beleuchteten Dachboden
ein wenig aufhellt, von den leiblichen Eltern einen
Pullover; eine CD (Morcheeba- Big Calm, falls es
jemanden interessiert); deutsche Schokolade (immer
ein willkommendes Geschenk) und das wars glaub
ich auch.
Hmm, wolltet ihr jetzt vermutlich garnicht wissen, aber ich habs einfach trotzdem
mal geschrieben, damit ich mich in 20 Jahren mit dieser Webseite an Weihnachten
2002 erinnern kann.
Nach dem Auspacken und dem Fruehstueck brachte
ich ein wenig Krams zu Freunden meiner Gastfamilie
rueber, bei denen wir als Syracuse-Ersatz unseren
Turkey haben sollten und hatte mir vorgenommen
auf dem Rueckweg ein paar Bilder zu machen. Leider
kann man mit Handschuhen schlecht auf den Ausloeser
druecken und schon garnicht die kleinen Knoepfe
bedienen, insofern hatte ich bei meiner Rueckkehr
wieder die bewaehrten kalten Flossen.
Wir hatten darauf unser Weihnachtsessen, spielte
anschliessend mit Sam, Sohn der Familie und auf
Weihnachtsferien von seinem Freshmen-Year im College,
und meinen Gasteltern “Das verrueckte Labyrinth”,
wo ich meine grauenvolle Niederlage auf die mir
unbekannte englische Sprache schob J.
Am Abend, so gegen 11, sass ich gerade vorm PC
und schrieb eine eMail (ja, ich bin einer dieser
Idioten, die an Weihnachten ihre eMails checken,
anstatt mit der Familie unterm Baum zu sitzen und “Stille
Nacht” zu traellern, tut mir leid), als in
mir ploetzlich der enorme Wunsch anwuchs, aller
Vernunft zuwider nach Draussen zu gehen und einen
gigantischen Schneemann zu bauen, denn mir war
bewusst, dass meine Wahrscheinlichkeit, jemals
wieder so viel Schnee zu haben, sehr gering war,
es sei denn ich beschloesse ploetzlich nach Groenland
zu ziehen und einen Grossmarkt fuer Starkstromrobbenfaenger
oder so was aufzumachen.
Als ich meinen Gasteltern von diesem Gedanken (ueber den Schnee, nicht den
Robbenfaenger) erzaehlt meinten sie nur “What about the snow tomorrow?” und
in meinem kindlichen Leichtsinn ging ich natuerlich davon aus, dass es mit
dem Schnee ja auch am naechsten Tag nicht viel schlimmer sein koennte.
Gluecklicherweise hatte ich Schnee-Gummi-Ueberschuhe
zu Weihnachten bekommen “So you don’t
have an excuse for not shoveling the driveway any
more” und konnte nun das erste Mal ohne meine
doch irgendwie weniger heavy-duty Adidas-Sommerschuhe
einen Schritt vor die Tuer setzten.
Draussen Schnee soweit das Auge reicht. In meinem Kopf die Vision eines hausgrossen
Schneemannes und der Schlagzeile im Democrat & Chronicle: “German
exchange student builds snowman. Kills two 3-year olds by making it fall over
while putting a carrot-nose in the head”
Ich rieb mir meine behandschuhten Haende und griff nach der Schneeschaufel.
Schaufelte. Versuchte in guter alter Scheemann-Manier einen kleinen Schneeball
auf dem Boden herumzurollen, bis er zu einer grossen Kugel wurde.
20 Minuten spaeter hab ich nicht nur kalte Hande
von meinen total durchnaessten Handschuhen, sondern
auch ne enorme Wut auf den uebelst pulverigen New
Yorker Neuschnee, der sich so garnicht zu einem
Schneemann formen lasst. Ich ueberlege mir, ob
ich ausrasten und mit der Schneeschaufel auf dem
Schnee rumkloppen sollte, entschliesse mich aber
im Endeffekt dafuer, lieber reinzugehen und mich
in mein hoffentlich warmes Bett zu legen. Brr.
Alles in Allem ein etwas seltsames- weil anderes-
Weihnachten, was aber durchaus nicht schlecht war
und ich mich bestimmt spaeter gerne dran zurueckerinnern
werde
26.12.02
Ich werde ausgenutzt! Hatte ich mich doch ein
paar Absaetze vorher noch darueber geaeussert,
wie schoen es ist, als Einzelkind zu Weihnachten
nicht um 4 von einem 6-jahrigen Balg geweckt zu
werden, wird mir schliesslich des Einzelkindes
schreckliches Schicksal bewusst… erzwungender
Muskulaturaufbau durch Schneeschieben.
Weisse Weihanchten sind ja ganz nett, das hier sind aber definitiv ZU weisse
Weihnachten, die 15 cm sind mitlerweile zusammengesackt und haben eine 2 cm
dicke Eisschicht gebildet, der mir in meinen “ich geh zur Mall und verprass
mein Weihnachtsgeld” Plaenen im Weg steht. Und ich mit der Schneeschaufel
mitten drin.
Wieder einmal kamen meine Schneeschuhe zum Einsatz,
als ich am Koerper mehrere Schichten Winterkleidung,
im Ohr die Kopfhoerer des MiniDisc Players mit
anheizender Linkin Park Musik, auf dem Kopf ne
Muetze und um den Hals meinen Amerikafahnenmotiv-Schal
nach draussen gehe.
Die naechsten 45 Minuten verbringe ich mit agressivem Rumhacken auf der Eisschicht
draussen, bis schliesslich das Schwarz des Asphalts wieder durch den Schnee
durchscheint und mir der Ruecken weh tut (armsehligerweise jammer ich auf meiner
Webseite immer nur rum, wird mir gerade bewusst). Ironischerweise faengt es
gerade wieder an zu schneien, als ich zum Haus zurueckstapfe, die CD fast zu
Ende ist und Chester froehlich “I tried so hard and got so far but in
the end it doesn’t even matter” singt.
Zurueck im Haus raus aus den nassen Klamotten,
warme Dusche und schnell per Brot-o-Mat, oder wie
immer man das Teil in Deutschland nennt, ein Brot
gebacken (irre, was der Junge alles kann) und dann
zur Bushaltesstelle gerannt um weiterer Hausarbeit
zu entgehen.
Die Bushaltestelle ist nun wirklich nicht weit entfernt, der Bus sollte 5 Minuten
spaeter kommen, insofern hatte ich weder Handschuhe noch Muetze, geschweige
denn Schneeschuhe angelegt und bestieg dann, um die Leichtfertigkeit zu komplemettieren
auch noch in den falschen Bus, was mir allerdings erst auf dem halben Weg nach
Greece (ja hier haben die Staedte Laendernamen, ich kann in 10 Minuten von
Schweden nach Griechenland fahren…) auffiel.
Dank des netten Busfahreres hielt ich nun ein Transferticket in der Hand und
hatte nix als meinen blossen starken Willen um zurueck nach Rochester zu latschen,
was ich dann auch gemacht habe, kam sogar relativ rechtzeitig fuer den nachesten
Bus an der Haltestelle an, war bloss bis auf die Knochen durchgefroren und
sass dann im Bus, zum Erstaunen meiner Mitfahrer schon fast in der Heizung,
als nur daneben.
31.10.02
Party people!
Es began damit, dass zu nachtschlafendender Zeit
(8 Uhr morgends) ploetzlich mein Wecker anfing
einen Country Sender zu spielen und ich gezwungendermassen
aufstehen und zum Basketball musste. Da ich aber
noch ein bisschen Zeit zwischen Fruehstueck und
Abgeholt-werden hatte, ging ich schnell im ICQ
online, wo die halbe Welt ploetzlich beschloss,
mit mir zu sprechen J Vielleicht sollte ich einfach
immer um diese Zeit aufstehen, dachte ich mir,
musste dann aber schon los zum Basketball.
Training war relativ normal, nix besonders passiert,
doch als ich wieder nach Hause kam, musste ich
meine Suche nach einer Mitfahrgelegenheit zu einer
Silvesterparty fortfuehren, denn ich hatte schon
die anderen Tage niemanden gefunden, der auf der
Westside von Rochester lebt und zu der gross angekuendigten “Senior”-Party
gehen wollte/konnte.
Ich weiss nicht, wie es in anderen Staaten aussieht,
aber hier scheinen Leute in meinem Alter zum Jahreswechsel
lieber vor der Playstation zu versauern und dann
fuer 5 min den Fernseher zum neuen Jahr einzuschalten,
als ausser Haus irgendwo eine Silvesterparty zu
feiern.
Im Endeffekt fand ich also heraus, dass niemand, den ich kannte zu dieser Party
ging und es sich damit ja eigentlich auch irgendwie erledigt hatte.
Meine aufregenden Plaene fuer Silvester sind also
wie folgt:
Nachdem ich hier mit dem Schreiben fertig bin werd ich irgend ne Kleinigkeit
zum Essen haben, anschliessend in die Kirche (*jubel* wer hat je davon gehoert
zu Silvester in die Kirche zu gehen?), danach zu den Freunden meiner Gastfamilie,
wo wir auch schon Thanksgiving hatten.
Nachdem ich heute meinen Tag ganz assig mit Cornflakesessen
vorm Computer begonnen hab werd ich ihn mit Footballgucken
ausklingen lassen… mal sehen, was das neue
Jahr bringt. J
1.1.03
Es ist halb 4 in der Nacht, ich bin vor 20 Minuten
wieder nach Hause gekommen immernoch ganz benebelt
vom uebermassigen Knosum von Sparkling Grape Juice,
vom 3 stuendigen Kirchgang (gmpf) und meinem Mitgesinge
zu alten Beach Boys Schnulzen im Auto.
Hab ein wundervolles Silvester verbracht, Lansange
gegessen, um Mitternacht feierlich ne Flasche Diet
Pepsi aufgemacht und die Lifeuebertragung vom “Balldrop” im
New York Times Square angeguckt, mit nem Hund gespielt
und mir nen alten John Wayne Streifen angesehen.
Komm nach Hause, schmeiss ICQ an (jaja) wo mir
erstmal wieder eine dieser “Hey, wir gehen
mit Alkoholvergiftung ins neue Jahr” Geschichten
um die Ohren gehauen wird. Im Stile “Mich
hat jemand angekotzt, ist das nicht lustig?” Brech
vor Lachen und Muedigkeit fast zusammen und geh
jetzt erstmal ins Bett. Frohes Neues!
30.11.02
Uh, schon der 30. November. Es ist schon wieder
fast einen ganzen Monat her, dass ich von meinen
tollen Erlebnissen zu Halloween berichtet habe
und schon wieder hatten wir vorgestern ein grossartiges
Stueck amerikanischer Kultur: Thanksgiving.
Ich hatte es, wie ja schon einigen Leuten bekannt
sein sollte, geschafft, mir puenktlich zu diesem
Feiertag den fiesen Grippevirus einzufangen. Ich
waere aber nicht maennlich, wenn ich mein Leiden
jetzt nicht auf mindestens 3 Absaetzen breittraete:
Das bemerkte ich aber erst, als ich am Tag zuvor
mit meiner Gastmutter durch Rochester fuhr, Sachen
zur Post brachte, Brot kaufte, mich mit einem entsetzlich
leidenem Gesicht durch einen Textilienladen geschleppt
hatte und schliesslich, nach stundenlangem Schwindelgefuehl,
Schuettelanfaellen und dem wunderbaren "Hey,
ich komm mir irgendwie scheisse vor"-Gefuehl
einfach nurnoch "Hey, can't we just go home" vor
mich hin knurrte.
Im Endeffekt endete ich dann mit einem wunderbar
warmem Becher Kaffee in Starbucks, waehrend meine
Gastmutter noch Schuhe aus der Mall abholen musste.
Klingt seltsam, aber ich war richtig dankbar dadrueber:
Ich lag nicht zu hause im Bett, tat mir selbst
Leid und fragte mich, wie um alles in der Welt
man auf dem Ruecken liegend ein Taschenbuch offenhaelt,
ohne einen mittelschweren Fingerkrampf zu kriegen,
sondern sass in Starbucks. Und Starbucks ist definitiv
eine meiner Lieblingslocations, weil der Kaffee
so schweineteuer ist, dass dort eigentlich nur
Leute der gehobenen Klasse ihren 3 Dollar Kaffe
trinken und ihren 5 Dollar Muffin essen, gemuetlich
Zeitung lesen und sich vermutlich ungeheuer versnobt,
edel und wichtig vorkommen. Und ich mittendrin.
Wow.
Wie auch immer, ich kam also schliesslich nach
hause und hatte dort einen wunderbar kurierenden
Schlaf von gut und gerne 12 Stunden, kam mir am
naechsten Morgen auch nicht mehr so krank vor und
fuhr schliesslich mit meinen Gasteltern zu Freunden
von ihnen zum gemuetlichen Thanksgiving Essen.
So, fuer alle Nicht-Amerikaner, die in der 8.
Klasse im Englischunterricht beim Thema Amerika
nicht aufgepasst haben: Thanksgiving ist ein traditionelles
Truthahnessen, dessen Sinn anscheinend niemandem
klar zu sein scheint.
Wir debattierten also lustig drauflos und hatten
nach wenigen Minuten die "Thanksgiving is
giving thanks to God for a good harvest(=Ernte)" sowie
die "Thanksgiving is a traditional celebration
of the pilgrims giving thanks to the Indians for
helping them survive in the first year" Fronten
aufgebaut, rissen uns also verbal die Koepfe vom
Hals und die Cranberrysosse aus den Haenden und
hatten im grossen und ganzen Spass beim Essen.
Eine weitere Tradition von Thanksgiving ist, sich
nach dem Essen, wenn man sich schon so richtig
schoen fett und vorquollen vorkommt, aufs Sofa
zu hauen und Fernsehen zu gucken, in unserem Falle
ein alter James Bond Schinken.
Klein Lars konnte natuerlich wieder nicht stillsitzen
und bewunderte die bereits aufgebaute Weihnachtsdekorierung
um und im Haus, inklusive abartiger Porazellanteile,
die auf Haendeklatschen Weihnachtslieder spielen
etc.
Danach assen wir dann noch Kuchen, fuhren nach
Hause und guckten noch nen bisschen Fernsehen.
Was ein Tag.
Heute, kaum den Truthahn verdaut, gings schon wieder frueh aus dem Bettchen
zum Basketballturnier nach East Rochester.
Nach dem Fruehstueck vertrieb ich mir meine Zeit mit froehlichem Fischfuettern
und paranoiden Gedanken: Es gibt naemlich einen Warmupdrill, den ich jedes
Mal aufs groebste verpatze, wie ein Bekloppter in falsche Richtung durch die
Sporthalle laufe und schliesslich Korblege mache, wenn ich eigentlich den Ball
weiterpassen soll etc.
Ich dneke mir immer, wie die Cheerleader auf der
anderen Seite fluesternd ihre Kopfe zusammenstecken: "Hey,
it's the German again". Das gute Gefuehl dabei
ist, nicht mich selbst, sondern unseren ganze Nation
als Sportversager dastehen zu lassen.
Nicht wirklich, grausige Tatsache ist aber, dass
mein Coach mir diesen doch etwas komplizierteren
Drill nie beigebracht hat, waehrend die anderen
ihn lernten, konzentrierte ich mich auf professionelles
Ball-gegen-die-Wand-werfen und lernte die Basis
zu meinem mittlerweile unglaublichem Talent.
Wie auch die letzten Male war meine Angst gerechtfertigt,
ich verpatzte den Drill @ East Rochester (nicht
so schlimm wie die letzten Male), wurde anschliessend
von meinem Coach zusammengebruellt, die alte "I
take you out of the drill" Leier.
Hey, der Tag hatte jedoch ein totales Highlight:
So nenne ich doch seit heute ein komplettes Basketballoutfit
in Finney-Dunkelgruen mein eigen, das, zur Kroenung
des Ganzen meinen Namen traegt.
Bevor mich irgend jemand fragt: Ja, es macht mir
Spass uebers eigene Versagen zu schreiben, weil
ich so da Gefuehl habe, immernoch ueber mich selber
lachen zu koennen, was meiner Ansicht nach besser
ist, als hier auf den grossmaeuligen Sportidioten
zu machen, der ich nicht bin und auch niemals sein
werde.
Fuer unsere geschaetzten Leser von wo-auch-immer,
die mich nicht kennen: Auch wenn es sich so anhoert,
ich bin kein kleiner, fetter, zynischer Versager,
der die Welt durch seine 5 cm dickem Brillenglaeser
sieht und sich seine eigenen Interpretationen zusammenleiert.
Und, ja, ich uebertreibe immer gerne ein bisschen,
weil es mir das gute Gefeuhl gibt, dass die Leser
meine Berichte besser finden, als knochentrockende
Reportagen ueber einen sich online selbst-profilierenden
Idioten.
Brr, das klang jetzt viel zu ernst. Schreibt mir
ne Email, wenn ihr mich fuer das obengenannte haltet.
Danke :D
Lars
26.11.02
Ausnahmezustand.
Ich hatte gerade eben ein kleines Basketballfreundschaftsspiel gegen ein Schule
namens Greece Odyssee. Im Prinzip nichts besonders, es waere auch eine Luege,
zu behaupten, es sei etwas Spektakulaeres passiert.
Wie immer hat der Coach mich zusammengebruellt
und ich habe heulend auf der Ersatzbank gesessen,
mich von einer Lebens/Identitaetskrise durch die
naechste gefressen, bis das Spiel schliesslich
zu Ende war.
Ich packe also froehlich meine Sachen,laufe zur
Tuer, oeffne sie und bleibe mit offenem Mund fuer
eine halbe Minute stehen.
Nachdem ich ca. einen halben Liter feinsten Rochester
Schnee unfreiwillig nachschmecken durfte, schliesse
ich die Tuer und gucke mir die Bescherung draussen
an: Gut 7 cm Schnee, gefallen in den eineinhalb
stunden, die ich in der Schule verbracht hatte,
bei unsere Ankunft war der Boden noch knochentrocken
und kei Schnee weit und breit zu sehen.
Was nun folgte, hab ich in meinem Leben noch nicht
erlebt, ich wurde von meinem Gastvater abgeholt
und wir fuhre durchs frischgefallende Winterwunderland,
vorbei an Autos im Graben, sich in der Mitte der
Fahrbahn drehenden Autos und dichtem Schneegestoeber.
Welcome to Rochester, New York.
Ich war auf jeden Fall noch nie so nervlich angespannt
wie die zehn Minuten im Auto. Wenn sich ein anders
Auto gerade mal 10 Meter von einem entfernt ploetzlich
zu drehen anfaengt, dann weiss man ploetzlich auch
warum.
Wie ihr seht, hab ich es "nach Hause" geschafft,
mit dem festen Entschluss diesen Winter nicht mehr
das Haus zu verlassen und die Wunsch "Haetten
sie mich doch in Maiami Beach plaziert!"
Uebermorgen ist uebrigends Thanksgiving, ein weiteres
amerikanisches Hochevent nach Halloween, was ich
wieder bildermaessig dokumentieren werde. Das heisst
konkret, dass ihr naechste Woche unbedingt wieder
die Webseite checken muesst, wenn ihr nicht von
mir per Email genervt werdne wollt.
Ich geh jetzt aus ner alten Decke und zusammengeklebten
Streichhoelzern Schneeschuhe bauen,
Lars
16.11.02 Anmerkung nach dem
Probelesen:
Eigentlich kann man es nicht Bruellen nennen,
das ist das falsche Wort. Niemand, der dafuer bezahlt
wird, bruellt. Er singt eher. Er singt laut und
ohne Melodie.
Und wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
16.11.02
5.50 am. Der Wecker. Den Knopf gedrueckt, aufgestanden,
geduscht, gefruehstueckt, runtergerannt, wieder
raufgerannt um vergesene Sachen zu holen.
8.00 am. Dear heavently father. Taegliches Homeroom
gebete um angerissene Fussnaegel, Familienmitglieder,
die durch Ohio traveln oder einer sonstigen unnachvollziehbaren
Gefahr ausgeliefert sind. Pizza bestellen? Nicht
schon wieder. Frustrierter Blick in der Rucksack:
2 Kaesesandwiches. Am Vortag getoastet. Sehen aus
wie Botscheiben, schmecken aber wie Waschlappen
mit Marshmallows. Uah.
8.10 am. Locker. Kaesesandwich aus dem Rucksack
kratzen, in den Locker schmeissen. Health class.
Jubel.
8.15 am. Lieblingsfach Health. Heute: Selbstbewusstsein.
Und langsam wache ich in meiner Lieblingsklasse
Health auf. Gibt es etwas schoeneres als am fruhen
Morgen ueber niedriges Selbstbewusstsein nachzudenken?
Kaum bin ich bei vollem Bewusstsein, da faellt
mir ein, dass ich gestern meine Quarter Report
Card in der Post hatte. Wow, nur A und A+. Durchschnitt
von 99% in Spanisch. Einerseits hab ich zum ersten
mal das fiese 'Du bist ein Streber' Gefeuhl im
Hinterkopf, anderseits fuehl ich mich als das Beste,
seit der Erfindung des Toastbrotes. Dann auch noch
ne gute Note in meinem 2 seitigen Entscheidungsprozess-Essay
'Should I give my German chocolate to kids at Finney
in order to make friends?'
Mein Selbstebewusstsein kennt an diesem Tage also
keine Grenzen, ich schwebe wie auf Wolken durch
die Schule. A! A+! Wohar.
Das Ganze zieht sich gut den ganzen Schultag hin,
schliesslich ist es 2.50 pm. "You guys can
go".
Und nach dem ich 2 Stunden lang quasi garnicht
sgemacht habe, oder auf gut Deutsch gesagt Zeit
totgeschlagen hab, geht es los zum Basketballtraining
mit unserem lieben Coach dem Beruchspsychopaten.
Dier ersten 5 Minuten gestalten sich noch als normal, in bester christlicher
Schultradition wird zum wiederholten Male der heavently Father belaestigt und
anschliessend eine kurze Ankuendigung gemacht. "I don't feel like screaming
today, guys, so better do the drills right".
Ahahaha. Gute Idee. 2 Minuten spaeter kommt einer
meiner Teamkollegen auf die Idee waehrend einer
Drillerklaerung was zu sagen. "CAN YOU DO
ME A FAVOR?! SHUT UP!!!", toent es zaertlich
von unserem Trainer.
Hmm. Und als klein Larsi nach 2 Stunden Training,
zahlreichen misslungenden Korblegern und einem
arg einbebrochendem Selbstbewusstsein zum aller
ersten Mal in eins der komplizierteren Trainingsspiele
einbewechselt wird, erfreuen sich seine Ohren an
dem schmeichelen 200-dezibel Gebruelle von dem
Mann mit dem "Finney Coaching Staff"-Shirt.
"DO YOU WANNA BE PART OF THE TEAM?" "yeah" "DO
YOU WANNA PLAY?" "definately" "THAN
FREAKIN' FOLLOW YOUR MAN!"
The Intimidator schlaegt kurz vorm Ende noch mit
einem filmreifen Basketball-mit-200km-durchs-Gym-gekicke
zu und laesst auch die letzten Zweifler an seiner
Autoritaet verstummen.
5 Minuten spaeter: "And don't take coach
serious. He wants us to win" Verstaendenes
Nicken von allen. "He does. And we can make
it. Bring it in, Team on three."
10.11.02
Ich bin gerade von einem 3-taegigem Trip aus Cooperstown,
NY wiedergekommen, DIE Stadt mit der einzigartigen
und unvergesslichen Baseball Hall of Fame, die
gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist.
Ich hab aber nen Foto von aussen gemacht und mich koeniglich mit dem 4 jaehrigen
Kind, der Familie, die wir dort besucht haben, amuesiert.
Und nachdem ich nun wieder hier bin und begeistert
die 10 eMails abrufe finde ich heraus, dass meine
Austauschorganisation meine Webseite liest... ob
ich als gutes oder schlechtes Beispiel im naechsten
Eurovacances Handbuch lande, weiss ich aber noch
nicht ;)
In diesem Sinne Gruesse nach Hamburg, bin soweit zufrieden mit euch :)
Und danke auch fuer die netten Eintraege in meinem
Gaestebuch von all meinen regelmaessigen Lesern...
ich fang bald an mir wichtig vorzukommen, passt
bloss auf!
Lars
4.11.02
Was fuer eine Ironie. Wir erinnern uns zurueck:
Ich hatte kurz nach meiner Ankunft in den USA angefangen
mich mit taeglichem Fussballtraining sportlich
zu betaetigen und damit anscheinend unbeabsichtigt
anderer Leutes Weltbilder auf den Kopf gestellt.
Und damit nicht genug. Ich hatte zwar die meisten Spiele aktiv die Ersatzbank
gewaermt, docht schaffte es mein Team in die Fussball Sectionals, wo wir leider
das Halbfinale verloren.
War aber nicht meine Schuld. Nun, die Saison war
ploetzlich zuende und ich hatte jeden Nachmittag
frei. Einerseits ganz schoen, faengt es doch hier
schon an zu schneien und ich kann meine sensationell
kalten Flossen in der Lunchbreak fuer Geld begrabbeln
lassen, anderseits irgendwie traurig. Ich hatte,
als wir vom kalten, regnerischen Feld liefen schon
fast das Gefuehl, als waer mein ganzen Jahr hier
drueben zuende, ich wusste einfach, dass ich nie
wieder so eine Saison oder ueberhaupt so ein Erlebnis
in meinem ganzne Leben haben wuerde.
Die Idee, mir jetzt einfach die imaginaeren Traenen
aus der Gesicht zu wischen und mit einem schlecht
gepfiffenem Lied auf den Lippen und gemessenden
Schrittes ins Buero des Coaches zu spazieren und
mich fuer Basketball anzumelden, schien mir undenkbar.
Jahrelang hatten mir meine besten Freunde (ha! ;) eingeredet, dass ich ne Niete
in Sport sei, was, wir wir alle wissen, darin gipfelte, dass ich mir schliesslich
ein T-Shirt mit dem Aufdruck 'SPORT-GOTT' anfertigen liess.
Half aber alles nichts. Sobald jemand auch nur
ballfoermige Objekte erwaehnte, wollt ich mich
am liebsten verstecken und am Daumen lutschen,
leider geht dass ja im 21 Jahrhundert und mit 17
Jahren nicht mehr.
Zusammenfassend: Ihr seid schuld.
Wie auch immer, um mal wieder auf das eigentlich
Thema zurueckzukommen, ich hatte eine Woche lang
jeden Nachmittag frei, fuhr nach der Schule nach
hause und hatte nicht wirklich was zu tun.
Wie gross auf meiner Startseite angekuendigt,
hab ich mich schliesslich entschlossen Basketball
zu spielen und heute dann endlich mein erstes Training
im Boys Varsity Team.
Mein respektvolles Erscheinungsbild eines hochgewachsenen
Europaeers machte sich gut, viele Leute im Team
waren auf Anhieb davon ueberzeugt, dass ich der
diesjaehrige Slamdunk-Superstar werden wuerde,
eine Illusion, die ich aber schon nach 5 Minuten
Training wieder gruendlich ruiniert hatte (Good
Job!).
Es stellte sich also heraus, dass ich kaum in der Lage war den Ball zu werfen,
ich weiss, das ueberrascht euch jetzt nicht.
Ich hab dann auf jeden Fall von Anfang an alles auf die schlechte deutsche
Sportausbildung an den Schulen geschoben und alles funktionierte zu meiner
grossen Ueberraschung wunderbar.
Der Coach ist ein kleiner, recht muskuloeser Mann,
der mit einer ueberragend lauten Bruellstimme ausgestattet
ist, die er nach jahrelanger Uebung im Ernstfall
sowie in netten Gespraechen klangvoll zum Einsatz
bringen kann (und tut).
Das Team besteht aus relativ grossen und erfahrenden
Basketballspielern, von denen ich doch ganze 2
Leute aus meinem Fussballteam kenne.
Das Training besteht aus rennen, werfen, rennen,
werfen, rennen beim werfen, werfen beim rennen
und Erschoepfung bis zum Verlust der Muttersprache.
Was fuer eine glanzvolle Ueberleitung! Wie ihr
an diesen Zeilen erkennen koennt, hab ich das Training
erfolgreich ueberlebt, hoechstwahrscheinlich deshalb,
weil ich nach 2 Monaten Fussballtraining einfach
mehr abkann. Tolles Gefuehl nebenbei gesagt.
Der Coach stellte sich als ein ganz nette Mensch
heraus, der mir mit viel Gedult die Basketballgrundlagen
beibebogen hat (oder es immernoch tut/versucht).
Das Team ist ein tolles, nettes Team, die akzeptieren,
dass ich das nicht wunderbar kann, eine Einstellung,
die mir in Deutschland so noch nicht untergekommen
ist.
Auf eine erfolgreiche Saison!
In diesem Sinne,
Lars
26.10.02
11.40, kurz vor der Zeitumstellung
Wollt ich euch doch gerade wieder einen vorsuelzen,
was ich denn tolles mache und wie ungeheur unabhaengig
ich mir vorkomme, dass ich jetzt meine Waesche
selber wasche, mein Essen fuer die Schule mache
und lerne meine Zeit einzuteilen, als ploetzlich
der Summer im Keller summt, ich aufspringe und
meinen Kram aus der Waschmaschine zu holen um festzustellen,
dass ich ein Taschentuch in ener Hosentasche vergessen
hab, welches jetzt in 100 lustig klebenden Kleinteilchen
in einem erstaunlich schickem Muster meiner Kleidung
verteilt ist. Ich verbringe also 10 Minuten mit
dem Zupfen meiner Kleidung, renne wieder nach oben,
loesche alles bisher geschriebende und bin so frustriert,
dass ich nicht anderes schreiben moechte.
Euch noch nen schoenen Tag,
Lars
19.10.02
Klick.
Mit dem simplen Dreucken eines noch simpleren Toasterschalters eroeffnet sich
mir, als Amerikaner-fuer-ein-Jahr, die fantastische Welt amerikanischer Speisenzubereitung.
Einen weiteren Klick, wenige Minuten spaeter befoerdert je nach Input eine
Himbeerwaffel, einen vorgeschnittenen Bagel oder eine art Blaetterteich-Kaese-Schinken-Omlett
zutage.
Ich sass heute morgen im Halbschlaf am Fruehstueckstishc
und mampfte still ein paar Kellogs Amerika Propaganda
Cornflakes, als mir ploetzlich klar wurde, dass
ich seit gut und gerne 2 Monaten kein kochendes
Wasser mehr gesehen, dafuer aber taeglich mindestens
10 Mal dem zarten, dreifachen Piepen der Mikrowelle
lausche.
Hab ich doch neulich in einem Anflug von Bewusstsein
meiner deutschen Staatsbuergerschaft einen Kartoffelsalat
gemacht. Ja, ich. Der Junge, der nicht mal Fruehlingsrollen
auftauen kann, ohne das ganze Haus nach angebranntem
Fett stinken zu lassen (manche von euch erinnern
sich sicher an diese Geschichte).
Nachdem ich die Basisproblematik “Gemuesenamen” unter
Zuhilfenahme meines Dictionarys erfolgreich geloest
hatte ging es ans Kartoffelnmachen. Grundsaetzlich
kein Problem fuer 5-Sterne-Koch Lars: Topf, Wasser
rein, Kartoffeln rein, Herd anmachen, warten, Kartoffeln
aus dem kochenden Wasser nehmen, verbrannte Finger
kuehlen, nach Mami rufen und heisse Toepfe verfluchen.
Hatt ich die Rechnung jedoch ohne die Mikrowelle gemacht, die in der Skala
meisst genutzter Haushaltsgeraete mit dem Telefon um die Fuehrungsposition
ringt.
Kartofflen in die Mikrowelle, warten, Kartoffeln rausnehmen, wieder reintun,
wieder warten etc. bis sie schliesslich durch sind. Soll nochmal jemand sagen,
ich wuerd hier nix lernen.
Die Mikrowelle ist neben dem Toaster zu meinem
besten Freund geworden, insbesondere, was das Fruehstueck
betrifft.
In dem Land der Free und dem Home der Brave kann man naemlich so gut wie alles
instant, geforen oder wie auch immer kaufen, von Zeit zu Zeit bricht dann also
mein Forscherinstinkt aus, ich schleiche mit wachsamem Blicke durchs Haus,
bis ich eine bunte Packung mit “Instant”- oder “Please Toast”-Aufdruck
finde.
Jetzt heisst es in erster Linie nicht auf die Kalorien zu achten, sondern mit
kindischer Freude, die Packung aufzureissen, bei Bedarf Wasser hinzuzufuegen
und in die Mikrowelle zu stellen. Nachdem ich auf den grossen, bunten Power-Knopfe
gedruckt und meine Nase fuer ein paar Minuten an der Glasscheibe plattdruecke
geht ein faszinierer Prozess vonstatten: Das undefinierbare Instant-Wasaucimmer-Wasser
Gemisch quillt auf und wird zu einer zaehen breiigen Masse mit dem Geschmack
von frischem Haferschleim an Apfel und Zimt.
Loeffel rein und geniessen, was uns in Deutschland fehlt, aber niemandem bewusst
ist.
Schliesst jetzt eure Augen und denkt an ein romantisches
Dinner bei Kerzenschein auf eine Bruecke, sagen
wir, wie in der Pizza Restaurante Reklame. Irgendwo
im Hintergrund nudelt “Santa Lucia”,
eine leichte Sommerbrise bewegt die von Lilienduft
angereicherte Luft. Ein attraktiver junger Mann
laechelt seine noch attraktivere junge Verlobte
an, die jerade die Augen schliesst und mit vor
Vorfreude verzerrtem Gesicht in ihren Burger King
Doppel Whopper beisst, dass die Sosse nur so durch
die Gegend spritzt.
In der Tat mag jeder, der einmal einen Schritt
in eine McDonalds Filiale gesetzt und genuesslich
den Duft von 3 Tage altem Frittierfett direkt durch
die Nasenschleimhaut inhaliert hat denken:
“Hmm, wenn dies in kulinarischer Hinsicht alles ist, was die Nation, die “Drive
thru”, Weltraumforschung und den Begriff der “Achse des Boesen” je
hervorgebracht hat, dann moecht ich garnicht wissen, was im Durchschnittshaushalt
zu Mittag gegessen wird.”
Soweit ich das beurteilen kann, wird Uncle Sams
Nation in der Hinsicht aber Unrecht getan.
Ich hab ja neulich schon geschrieben, dass ich seit 2 Monaten mein Gewicht
gehalten hab, und das nicht dadurch,dass ich auf eine Huettenkaese-Zucchini-Diaet
umgestiegen bin, sondern, dass hier fuer unsere europaeischen Verhaeltnisse
relativ normal gekocht wird: frische Gemuesekost, mal Fleisch, mal Nudeln,
mal Brot dazu, mal panierter Fisch etc. ppp.
Soweit zu meinen Gedanken ueber die amerikanische
Kueche, wohl bekommts,
Lars
14.10.02
Sitz ich doch gerade hier am Ende meines freien
Montages und schalte aus langeweile ICQ an.
Ploetzlich kommt eine andere Austauschschuelerin,
die derzeit in Idaho lebt, online und erzaehlt
mir von ihrerem Leben da und das alles so viel
besser sei, dass sie gar nicht wieder weg wolle.
Ein paar Minuten spaeter checke ich meinen Mailaccount
und habe eine Email von einer anderen Austauschschuelerin
bekommen, die mit allem drum und dran sowie ps.
in einer seperaten Mail haarklein ihr Leben beschriebt.
Waehrend ich das ganze also lese bekomm ich ein schlechtes gewissen, dass ich
seit fast 3 Wochen kaum noch Emails an Freunde geschrieben hab, was ja nix
besonderes waere, haette ich nicht auch vergessen in der ganzen Zeit mal was
auf meiner Homepage zu posten um euch, wie ich irgendwo da oben in grossen
Worten angekuendigt habe, “auf dem Laufenden zu halten.”
6, setzen. Der anonyme Austauschschueler irgendwo
da drueben hat uns vergessen. Wir sind ihm egal.
Vielleicht hat er angefangen sich ein Halloweenkostuem
zu naehen. Vielleicht hat er nach wochemlangen
Ersatzbankwaermen eine Chance beim Fussball gekriegt
und der gegnerischen Mannschaft nach 2 Minuten
Spielzeit ein Tor reingeknallt und verbringt jetzt
all seine Freizeit mit dem Trainieren und dem Bewundertwerden.
Vielleicht hat er das BurgerKing 99 cent Menu fuer
sich entdeckt, fruehstueckt jeden morgen einen
Cheeseburger und ist mittlerweile so fett, dass
er nicht mehr zwischen Stuhl un Computertisch passt
und mit seinen Wurstfingern nicht mehr tippen kann.
Vielleicht macht er sich seinen deutschen Akzent
zunutze um sich ein amerikanisches Maedel nach
dem anderen anzulachen. Und will nie wieder nach
hause. Bah. Deutschland.
Erinnern wir uns zurueck: Klein Larsi hat nach
einer atemberaubenden Odyssee seine Gastfamilie
in Rochester, NY erreicht und hatte gerade angefangen
sich einzuleben, in der Schule den Mitschuelern
literally die Wurst vom Brot zu ziehen, sprich
gut und eingebildet zu werden, als ploetzlich der
Kontakt abbrach.
Was ist also in der Zwischenzeit passiert?
Fangen wir mit schulischen Hocheventen an, da
ich z.zt. nur von einem zu berichten hab: Homecoming.
Fuer die nicht-Amerikaner unter uns: Hoemcoming ist im Prinzip ein Tag, an
dem saemtliche Schulmannschaften an der Schule gegen eine andere Schule spielen
und die unsportlichen Mitschueler sowie die Eltern (nicht zwangsweise unsportlich)
daneben stehen und zugucken.
Das mag sich recht unspektakulaer anhoeren, es
wird aber jede Menge daraus gemacht, beispielsweise
werden alle Spieler der Teams namentlich aufgerufen
und bejubelt, anschliessend der Blick gen star-sprangled
banner gerichtet, Haendchen auf Herz gelegt und
die Nationalhymne getraellert. Herrlisch.
Wir hatten zum Homecoming in meterologishcer Hinsicht
wieder einmal Glueck und gutes Wetter, sagen wir
mal Sonne und 20 grad, nahezu perfekt zum spielen
also.
Wie ja mittlerweile jeder wissne soillte, bin
ich in dem Finney Soccer Team und war insofern
etwas besonders, als dass ich nicht mit dme Rest
der Schule zusammen das Fussballspiel anguckte,
sondern von der Ersatzbank, was das Ganze natuerlich
wesentlich dramatischer macht, man koennte ja eingewechselt
werden.
Wenn man denn gut in Fussball waere :D
Unser Spiel verlief ganz gut, nachdem die gegnerische Mannschaft gleich nach
Anfang der 90 Minuten gescored hatte, schaffte unser Mannschaftskapitaen in
der zweiten Halbzeit den 3-fachen Ausgleich, rettete das Homecoming fuer die
Schule und motivierte den Coach anscheinend, mal auf der Ersatzbank was zu
bewegen.
Ich sitz also nichts Boeses ahnend da, als er sich ploetzlich mit den bewegenden
Worten “Lars, I want you on top!” umdreht und meine heimlichsten
Fussballertraeume ploetzlich in Erfuellung gingen.
Ich wurde also unter (kein Witz) tosendem Beifall eingewechselt, spielte 20
Minuten bis zum Schlusspfiff und ging mit dem wohl breitesten Grinsen der Weltgeschichte
vom Feld, ein wahrlich bewegender Moment fuer mich. Haett ich mal das “Sport-Gott” T-Shirt
mitgenommen, ehrlich.
Das lustigste daran war eigentlich, dass ich auf
der recht kleinen Schule allen Leuten und sogar
manchen Eltern bekannt bin, und merkwuerdigerweise
sich in kuerzester Zeit wieder rumgesprochen hatte,
dass ich zwar im Fussballteam sei, aber vorher
noch nie gespielt hatte.
(Egal wo ich bin, irgend jemand scheint mir immer ein in allen Sprachen der
Welt bedrucketen Zettel mit der Aufschrift: “Hallo, ich bin Lars und
schlecht in Volleyball. Bitte schliesst daraus, dass ich in allen anderen Sportarten
ein Versager bin” auf den Ruecken geklebt zu haben :D)
Das Ganze kam mir dann aber zum ersten Mal in
meinem Leben zugute, als dass mir von allen Seiten
auf die Schulter geklopft und zu meinem gutem Spielen
gratuliert wurde. “Wow, you almost scored!”
Auf alle Faelle ein Erlebnis.
Grundsaetzlich muss ich ja sagen, dass ich vom
Fussball nicht so viel erwartet haette. Als ich
Deutschland verlassen hab meinten alle Handbuecher “Treib
Sport”, meinte meine Schwester “Du
wirst fett!”, insofern kombinierte ich shcnell,
dass ich besser Sport treiben sollte um nicht fett
zu werden.
Doppelter Erfolg. Zum einen kann ich stolz verkuenden, dass ich bisher mein
Gewicht gehalten hab (immernoch so duenn wie vorher) und zum anderen, dass
das Fussballtraining trotz des stundenlangen Herumrennes richtig Spass bringt,
ich lerne nette Leute kennen, machen Erfahrungen in der Hinsicht wie dreckig
man und wie kalt einem wird, wenn man bei stroemendem Regen (hier regnets selten,
aber wenn, dann richtig) 90 Minuten lang in t-Shirt und kurzer Hose einem Ball
ueber ein matschiges Feld hinterherrennt. Ich haette wirklich ein Foto von
meinem ehemals weissem T-Shirt machen sollen…
Das wars erstmal von heute, melde mich bald wieder,
Lars
26.09.02- 10 Minuten spaeter
Ich habe das ganze gerade noch mal durchgelesen
und hab das Gefuehl, dass das ganze hier ein bisschen
zu hart klingt, als ob ich mich durch den Tag langweilen
wuede und nix zu tun haette.
Das stimmt aber definitiv nicht, ich hab hier
jede Menge Spass, ihr kennt ja meine Art zu schreiben,
zu uebertreiben und ironisch zu sein :)
Lars
Added 26.09.02
24.9.02
11.15 pm Eastern Daylight Zone- in genau 7 Stunden haemmert mich mein Wecker
wach und ich fall mit dme Kopf voran aus dem Bett, reibe meine Augen, guck
auf die Uhr, dusche, zieh mich an und schlurfe die Treppe runter, wo mich
mein Gastvater, wie jeden morgen zu dieser unchristlichen Zeit super gut
gelaunt mit einem froehlichen "Good morning Mr. Lars" begruessen
wird.
Das macht mir Angst (das zeitliche, nicht das
mit meinem Gastvater :), ich muss also in moeglichst
kurzer Zeit wieder so viel wie moeglich schreiben
um nicht nur Euch auf dem Laufenden zu halten,
sondern
auch so viel Schlaf wie moeglich zu kriegen.
Also, der letzte Eintrag endet mit meiner Englischstunde,
die ich zugegebenermassen immernoch im Halbschlaf
erlebe. Ich gehe also zu meinem lustig mit Hamburg-Aufklebern
und Calvin&Hobbes Comics beklebtem
Locker, schnappe mir mein Spanischbuch und mach mich auf den Weg zum Spanischraum.
Spanisch hab ich dieses Jahr ganz neu angefangen und sitz folgendermassen mit
den ganzen Freshmen zusammen, die fuer gute Hausaufgaben noch mit Candy belohnt
werden (ich auch :).
Spanisch gestaltete sich zugegebendermassen bisher
eher als unspektakulaer, wir lernen neue Vokabeln,
beantworten (noch) einfache Fragen und gehen dann
wieder, wenn ich da an meine ersten Stunden
Franzoesisch zurueckdenke ist das hier doch eher einfach. (Vielleicht auch
weil ich aelter bin als damals in Franzoesisch, aber wer weiss)... fantastico.
In der Hinsicht gut motiviert mach ich mich nach
einem kurzen Halt an meinem Locker auf zur Study
Hall.
Fuer-Nichtamerikaner: Study Hall ist in gewisser
Hinsicht der wahrgewordene Traum des Schuelers:
In der Mitte des Schultagen eine komplette Stunde Zeit angefallende Hausaufgaben
endweder selber zu machen oder abzuschreiben, wobei ich zum eher streberhaften
selbermachen tendiere, aus dem einfachen Grund, dass niemand anders aus meinem
Geschichtskurs je die Hausaufgaben macht und dann im Endeffekt von dem deutschen
Austauschschueler abschreibt. (Entbehrt einer gewissen Logik, ich weiss, aber
was solls).
Den Rest meiner Study Hall verbring ich meisst
damit rumzusitzen, mich mit anderen zu unterhalten
und mein am Tag zuvor prepariertes Lunch zu essen,
zugegebenermassen eher bloed, weil ich in der darauffolgenden
Lunchbreak nix mehr zu essen hab, waehrend der
Rest der Schule lustig am schnabulieren ist und
der Duft von Frischbestellter Pizza durch die
Cafeteria schwebt.
Andere Moeglichkeit ist, dass ich garnicht erst
was zu essen mitnehme und dann waehrend der Lunchbreak
mit anderen Senior (12.-Klaesslern) das Gelaende
verlasse um ein Fast-Food-Restaurant, eine Bagel-Baeckerei
o.ae. aufzusuchen.
Meine Gastmutter meine jetzt zum zweiten Mal,
dass es
11.30 sei und ich besser ins Bett gehen sollte, wenn
ich morgen nicht wieder bis... "25 off" "He has
coffee, he doesn't needs sleep" "Right"
However, ich geh jetzt erstmal schlafen, morgen
waehrend Computer Graphics oder Advanced Computer
schreib ich dann weiter, gute Nacht.
Guten Morgen!
Ich sitze gerade in Computer Graphics und habe damit ohne viel nachdenken zu
muessen auch schon eine Ueberleitung zu meiner neusten Fachbeschreibung:
Computer Graphics. Wie die Meisten von euch ja wissen sollten, hab ich schon
oefters mal mit Photoshop gearbeitet, was mir hier enorm zugute kommt. Heute
bin ich dann endlich mit dem letzten Assignment fertig geworden: Baue aus bestimmten
Symbolen eien abstrakten Comicstrip. Kling recht bloede, war es auch, bin gespannt,
was als naechstes kommt :)
Als naechstes nach Computer Graphics kommt auf
jeden Fall in der Schule immer Advanced Computer
(ihr seht schon, ich hab versucht mir das Leben
einfach zu machen), wo ich eigentlich nur rumsitze
und Zeit zum Homepageaktuallsieren habe, waherend
die anderen lernen, wie man die Windows Netzwerkumgebung
benutzt.
Anschliessend hab ich American History, vom Schwierigkeitsgrad
her mein Lieblingsfach: Ich sitze inmitten von
12 weiteren Amerikanern, die, als im Himmel das
Kurzzeitgedaechnis verteilt wurde wahrscheinlich
vergessen haben den Arm zu heben. Das klingt fies,
und ich hab Angst einer koennte deutsch lernen,
alles lesen und mir Probleme bereiten, aber ich
bin heute mal mutig und behaupte ganz frech, der
einzige in der Klasse zu sein, der sich merken
kann, was wir als Hausaufgabe im Buch lesen zu
hatten (und die anderen machen ihre Hausaufgaben,
schliesslich beantworten sie immer die Fragen auf
den Arbeitsblaettern als Hausaufgabe).
Viellecht tue ich ihnen unrecht, nett siend sie
zumindest fast alle, in der Hinsicht kann ich mich
nicht beklagen.
Mit dieser fantastischen Erfahrung endet dann
mein Schultag, ich gehe zu meinem Locker, schliesse
meinen Kram weg und hab gut 45 Minuten Zeit mit
anderen
Leuten zu Starbucks zu gehen, rumzusitzen (der Kaffee ist zu teuer) und mich
mit den anderen zu unterhalten, bis ich dann irgendwann auf die Uhr gucke und
feststelle, dass in 20 Minuten mein Fussballtraining anfaengt.
Wir gehen also zurueck zur Schule, ich zieh mir
meine Sportsachen, Schienbeinschoner und Fussballschuhe
an und hab, ganz schlicht gesagt, Training.
Unser Coach ist vielleicht 30 aber nicht viel
aelter, war frueher auch Fussballspieler und versteht
es uns nach allen Regeln der Kunst durch die Gegend
zu scheuchen, Dribbling ueben zu lassen etc.
Das ganze ist bestimmt das haerteste Training, was ich je gehabt habe, 2 Stunden,
30 Minuten lang, unterbrochen von 2 Wasserpausen a la 5 Minuten. Und das jeden
Tag, ausser wir haben ein Spiel. Trotzdem macht es irgendwie Spass, man lernt
halt ne Menge
Leute kennen, redet Englisch und erfaehrt den enormen Teamgeist, der die Mannschaft
ausmacht.
Abgesehen davon, dass ich jedes Mal komplett am
Ende bin und mich mit Verletzungen und Muskelkater
(am ersten Morgen nach dem Traing konnt ich meine
Beine
nicht mehr bewegen, ich Lappen :) herumschlagen muss ist es echt ein tolles
Erlebnis (ich hoer mich an wie mein Austauschhandbuch...).
Der (Wochen)Tag isr damit fuer mich im Prinzip
zu Ende, ich werd von der Schule abgeholt, unterhalt
mich mit einem Gastelternteil im Auto (je nachdem
wer mich
abhgeholt ha), komm nach Hause, dusche, ess Supper und verbringe den Rest des
Tages entweder mit dem Ausraeumen der Geschirrspuelmaschine (kann ich bald
im
Schlaf :), dem Waschen meiner Waesche (alle 2 Tage Fussballsocken, hab nur
2 Paar), dem Schrieben von Emails oder ich spiel Scrabbel oder Dutch Romme
mit meiner Gastfamilie, pack daraufhin meine Sache und stehe vor der letzten
Herausforderung des Tages: Lunch fuer den naechsten Tag zu machen.
Zu Hause macht das meine Mami *schlurz*, dementsprechd
unerfahren muss ich mir jeden Abend was ausdenken.
Mein Lieblingsessen hier sind Bagels, eine Art weiches Broetchen mit Loch drin,
schwer zu beschreiben, die ich aber toasten muss. Wenn ich nun am Abend 2 Bagels
toaste, mit Frischkaese beschmiere, eintuete und in den Kuehlschrank tue passiert
folgendes:
Ich sitze am naechsten Tag hungrig in der Study
Hall, mach meine Hausaufgaben
fertig, da faengt die Lunchbreak an. Ich zuecke meine Bageltuete, fummel einen
Bagel heraus und beiss in ein nach nichts und Schuhsohle schmeckendes etwas,
was zwar
wie ein Bagel aussieht, aber ansonsten wirklich rein garnix mehr damit zu tun
hat.
Ich koennte die Bagels ja am Morgen machen, aber irgendwie fehlt mir da nun
wirklich die Zeit zu.
Mein Tag ist knapp kalkuliert, anfangs bin ich
immer um 6 aufgestanden und dann noch mueder zu
sein, mittlerweile bin ich morgens mit am-Abend-zuvor-gepackten-Sachen
15 Minuten schneller, die ich dann auf konsequent
im Bett liegen bleibe.
Fuehlt sich besser an, ist aber zeitlich gesehen kuenstlich herbeigefuerter
Selbstmord, da ich nun wie ein Bekloppter durchs Haus fegen muss um rechtzeitig
fertig zu werden, was mich immerhin aufweckt.
Das wars erstmal mit der Einfuehrung in mein life
in america, als naechstes werd ich versuchen die
Bilder online zu stellen und dann seh ich mal weiter.
Lars
Und es ging endlich los.
22.8.02, nach Monates des fleissigen Erwartens,
Freuens und Bangen um die Gastfamilie sowie Plazierung
sitze ich endlich im Flugzeug nach Chicago, wo
ich und eine ca. 30 Leute umfassende Gruppe weiterer
Austauschschueler zunaechst 2 Tage Seminar in einem
Hotel haben sollten.
Das Seminar stellte sich schliesslich als eine
Sighseeing Tour durch Chicago heraus, wo wir trotz
des ekligen Wetters den Sears Tower besichtigten,
oben fuer 10 Minuten raus in die Wolken guckten
und ich schliesslich ein Foto von einer Postkarte
im Foyer machen musste um damit andere Leute zu
beeindrucken, die aus Hoehenangst o.ae. nicht mit
oben waren. Am
selben Tag gings dann auf eine Bootstour auf dem Lake Michigan, wo sich schliesslich
die Wolken ein bisschen lichteten und die Skyline von Chicago zum Vorschein
kam.
Weiter gings zum Hard Rock Cafe, auf dem Weg dorthin
machten wir einen kurzen Halt an der Buckingham
Fountain (bekannt aus "Eine schrecklich netteFamilie"),
die zwar ganz nett anzusehen war, sich jedoch fast
alle um ein kleines Kaninchen versammelten, was
es aus irgend einem unerfindlichen Grund mitten
in die Stadt geschafft hatte und nun auf einem
kleinen Gruenstreifen an der Buckingham Fountain
sass.
Weiter gings ins Hard Rock Cafe, wo ich den mit
Abstand ekligsten Salat meines Lebens gegessen
habe und das ganze auch durch Britney Spears-Beschallung
dauerhaft in Erinnerung behalten werde :)
Der grosse Tag kam dann aber doch schneller als
erwartet, ehe wir uns versahen hiess es Abschied
nehmen von den anderen Austauschschuelern, Ticket
zeigen, Koffer scannen, Gate suchen und warten.
Ich sass dann mit einem Trupp anderer Austauschschuler
zusammen auf dem Chicago Airport, bis mein Flug
nach Rochester aufgerufen wurde. Immerhin sollte
ich nicht alleine Fliegen sondern ein anderes Maedchen
:), die von dem Flugbegleiter fuer meine Schwester
gehalten wurde flog mit mir.
Man hat sich das dann folgendermassen vorzustellen,
wir itzen im fast leeren Flugzeug und versuchen
uns gegenseitig einzureden, dass wir kein Stueck
nervoes sind, was sich dann aber nach 5 Minuten
als vergeblich herausstellte. Uns gegenseitig motivierend "Was
machst du, wenn die Familie nicht da ist" "Ich
weiss nicht mal, wie sie aussehen" "Ich
kenn jemanden, der Stunden auf die Familie warten
musste" genossen wir die letzten paar Minuten
in unserer Muttersprache und kamen dem Rochester
Airport immer naeher.Schliesslich waren wir da,
stiegen aus dem Flugzeug, liefen zum Ende des Terminals,
wo dann meine Familie auf mich wartete, die ich
dank der Bilder auch sofort erkannte.
Entgegen meiner Erwartungen "Hey Lars welcome
in America!" "Oehm oeh." kam ich
doch auf anhieb gut mit der Sprache klar und habe
auch bis jetzt bis auf kleine Verwechselungenzwischen "much" und "many" nie
so wirklich Probleme gehabt.
Froehlich mit der Gastfamilie ueber belanglose
Dinge plaudernd gings dann in das Haus, was fuer
die naechsten 10 Monate mein Zuhause darstellen
sollte.
Wie manche Leute ja wissen sollten, habe ich hier
keine Gastgeschwister sondern lebe nur mit Gastmami
und Gastpapi zusammen, was insofern ganz positiv
ist,
dass ich den kompletten Dachboden des Hauses, (2 Zimmer, Flur und Badezimmer" fuer
mich allein habeund sogar die Moebel nach Belieben umstellen darf (Was ich
ja immer gerne mal mache).
In den naechsten Wochen, bevor die Schule anfing
lebte ich mich dann erstmal hier ein, lernte die
Familie kennen, vertrieb mir ne Menge Zeit mit
dem ausraeumen der Geschirrspuelmaschine und dem
im-Garten-sitzen-und-Calvin&Hobbes-Comics-lesen,
bis dann schliesslich die Schule anfing.
Wir hatten schon im vornherein eine Liste bekomme,
was fuer die einzelnen Faecher zu besorgen sei,
mein Lieblingsfach Mathe brauchte einen 90$ teueren
Taschenrechner, was ich dann zum Anlass nahm weder
Mathe sondern auch keine andere Naturwissenschaft
zu belegen (gut Ausrede, wa?) und mir das Leben
in der Hinsicht einfacher zu machen.
Mein derzeitiger Stundenplan ist amerika-typisch
jedne Tag derselbe, los gehts mit 10 Minuten Homeroom,
wo zunaechst die Announcemente verlesen, Essen
bestellt
(jaa, ich kann mir ne Pizza in die Schule liefern lassen :) und anschliessen
Prayer Requests losgelassen werden. Durch die christliche Schule und die grundsatzlich
recht christlichen Ansichten der Amerikaner scheint es wohl unter den Schueler
ueblich zu sein fuer den kleinsten Bloedsinn zu beten "My right toe hurts" "God
bless the Boys Football Team"...
Nach dem Homeroom gehts dann ab zur Bible Class,
wo ich als Senior das Thema "Worldvies",
basicially "Christentum versus The Rest",
unterrichtet werde, das ganze ist ganz interessant,
aber mehr auch nicht. Jeden Donnerstag hab ich
anstatt Bible Health, ich dachte da in erste Linie
dran, dass eine lustiger
Gemuesegaertner den Fastfoodgewoehnten amierkanischen Jugendlichen die freuden
des Kuerbispflanzes naeherbringt und ich als smarter Europaeer, der schon mal
Schnittlauch gesehen hat, absolut der Beste bin.
Aber nix. Erste Stunde Health kommt unsere Lehrerin rein und bleut uns ein,
dass die Gesundheit in erster Linie von der spirituellen Gesundheit, sprich
einer "strong relationship with god" abhaengt.
Trotzdem kommt mir das Europaeer-Dasein hier zugute, da ich als einziger in
meiner letzten Hausaufgabe nicht die Schoepfungsgeschichte der Bibel verteidigt,
sondern eine Vergleich und eine Abwaegung zwischen dem und der darwinschen
Evolutionstheorie geschrieben hab, das ganze dann acuh noch vorlesen musste
und nicht, wie erwartet im nachhinein von einer christlichen Rowdiegruppe zusammengeschlagen
zu werden, sondern von nun an als intelligent angesehen werde. Ich! :D
Wer bis hier durchgehalten hat und immernoch interessiert
ist, wie mein Schultag weitergeht, der kriegt jetzt
etwas ueber die Freuden des Englischunterrichtes
zu hoeren.
An meinem ersten Schultag meinte der Guidance Councellour (ja, es gibt sie
wirklich), dass ich wohl besser English 11 nehmen sollte, anstatt English 12.
Das ist in der Hinsicht ganz positiv, dass ich nicht nur Seniors, sondern auch
Juniors kennenlerne (aber ich glaub auf der recht kleinen Schule kennt mittlerweile
eh jeder den deutschen
Austauschschueler...).
Auf jeden Fall laeuft auch Englisch bisher ganz
gut, ich war letzte Woche der einzige, der in einem
Test ueber ein Buch, was ich aus Zeitmangel nicht
mal
vollstaendig gelesen hatte, volle Punktzahl bekam, was zu einer einormen Steigerung
meines Selbstwergefuehles beitrug ;)
Nach Englisch hab ich dann Spanisch, womit ich
bisher auch ganz gut klarkomme, wir haben aber
auch noch nicht wirklich viel gemacht. Ehrlich
gesagt bin ich jetzt zu erschoepft vom Tippen,
also gibts nacheste Woche in der Maus:
-Lars' toller Schultag zweiter Teil
-Lars' sportliche Aktivitaeten
-Lars' fantastischer Tagesablauf (mit
Bilddokumentation zur Verdeutlichung)
-Lars' bloede Antworten auf noch bloedere Fragen
-Lars' und der Wal-Mart Greeter (eine Feindschaft,
dies in sich hat)
-Und noch viel mehr :)))
Wie ihr seht, gibts noch Unmengen fuer mich zu
schreiben, ich hab tonnenweise Bilder gemacht,
wovon es demnaechst auch noch auch welche zu sehen
gibt und ich hoffe natuerlich auf eure positive
Resonanz :)
So long, Jesus hat euch lieb :), Gruesse aus Amerika
und ein schoenes Leben noch ;P,
Lars :)