United States

Here we go again.
 

 



16.04.03

Wer jemals in Amerika eine Nacht in einem guten, amerikanischen Bett verbracht hat, stellt spaetestens mitten in der Nacht, wenn er voellig kalt und verknotet in 25 verschiedende Bettlaken aufwacht, fest, dass hier etwas bedeutend anders ist als in Deutschland.

Hatten wir doch schon seit Jahrzehnten ueber die Franzosen und ihre kranke Nackenrolle gelacht, die das Schlafen fuer einen normalen Menschen gaenzlich unmoeglich macht, weil man im Laufe der Nacht sich so dreht, dass die kleine Rolle sich entweder vom Bett verabschiedet, oder sich so verschiebt, dass man zwar immernoch draufliegt, aber bestimmt nicht mehr mit dem Nacken.

Vielleicht geht es allerdings nur mir so.
In Amerika, dem angeblich technisch am meisten fortgeschrittenden Land sind die Leute an ein anderes, reichlich kurioses System gewoehent: Auf dem eigentlichen Spannbettlaken liegt ein unglaublich duennes Stueck Stoff, was von der Laenge ein wenig ueber das Kopfkissen hinausreicht. Auf diesem Laken liegen dann je nach Kaelte eine bestimmte Anzahl Wolldecken (ich schlafe mit einer eitergelben und einer hellblauen zum abdecken). Diese Wolldecken sind ungefaehr so wie die Ueberdecken in einem Hotel und werden grundsatzlich nie gewaschen, was an sich kein Problem waere, denn das duenne Laken wird uebergeschlagen, so dass man ungefaehr zehn Zentimeter der Decken abdeckt.

Da das Laken laufend gewaschen wird kann man es gefahrlos im Gesicht rumhaengen haben und mit Herzenslust drauf rumsabbern, ohne Gefahr zu laufen am naechsten Tag mit einem ekligen Ausschlag im Gesicht aufzuwachen.

Diese Konstruktion wird nun an den Seiten des Bettes unter der Matraze festgesteckt, so, dass man, wenn es Zeit ist ins Bett zu gehen, sich in einem muehseligen Akt von der Oeffnung unterhalb des Kopfkissens reinzwaengen muss. Liegt man schliesslich im Bett, stellt man fest, dass man so keine Luft bekommt und pflueckt das Laken und die Wolldecken kurzerhand wieder von unterhalb der Matratze raus.
Nun hat man das folgende Problem, dass man unausweichlich irgendwann entweder an dem Laken am Kopfende zieht und dann mit den Fuessen in der kratzigen Wolldecke drinhaengt, oder, dass man mit dem Fussende an dem Laken zieht. Sollte man so wie ich ueber 1.80m sein heisst das, dass man nun die Fuesse nurnoch unter dem Laken hat aber die Decken sich in irgend einer unerklaerlichen Grunde nach oben, was heisst ins Gesicht verlagert haben.

Hat man nun irgendwann die ideale Deckenlage gefunden und liegt in foetaler Lage eng an sich selbst geklammert im Bett, so dass man nichts verschiebt schlaft man ein.

Da der Mensch sich aber im Schlaf durchschnittlich 17 Mal rumdreht kann, oder wird man unausweichlich irgendwann aufwachen und feststellen, dass man gerade die Laken und die Decken in einen wundervollen Zopf verflochten hat; die Decken auf der einen Seite der Bettes liegen hat und selbst nurnoch unter dem Laken liegt oder man- Gott bewahre- nurnoch unter einer der Decken liegt, waerend das Laken zusammengeknuellt am Fussende ein trauriges Dasein fristet.

Warum noch niemand auf die selbe Idee gekommen ist wie in Deutschland ist mir unklar. Wie ihr aber sehen koennt, habe ich schon einige hundert Naechte ueberlebt... immerhin geht man mit dem Gefuehl ins Bett, dass man nie weiss, mit welcher Decke man aufwachen wird.


14.04.03

In meinem kleinen Austauschschuelerhandbuch steht irgendwo ein kleiner Absatz ueber das Leben in der Vereinigten Staaten, der es mir besonders angetan hat. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich das gelesen habe, aber es heisst dort so etwa: "Das Ziel ist einen festen Freundeskreis aufzubauen, der dich wie selbstverstandlich in ihre Aktivitaeten mit einbezieht."
Aus irgend einen Grund hab ich diese Zeile laufend im Hinterkopf... hab ich das erreicht?
Meine Schule sah ich zum ersten mal auf einer Art Vorbereitungstreffen fuer die Senior Class, ich kannte absolut niemanden, steh nur so rum und werd ein paar Leuten vorgestellt, mit denen der letzte Austauschschueler meiner Gastfamile befreundet war. Vielleicht liegt es ja an dem hormonversetzten Rindfleisch in Hamburgern, der schlechten Beleuchtung in dem Raum, wo ich alle zum ersten mal sah, meiner Verunsicherung (ja, das versucht man sich monatelang einzureden, dass man ein toller Typ und absolut willens und in der Lage sei auf Leute zuzugehen und Freunde zu machen, trotzdem ist man schuechtern) aber irgendwie kam mir an dem Tag jeder ungefaehr 3 Jahre aelter vor als ich. Ich fuehlte mich wie "das neue Kind" oder anders gesagt "Hi, I'm Lars, I come from a country far, far away and I'm 12 years old. How are you?".
Meinen ersten Tag in der Schule hab ich nicht wirklich in Erinnerung, ich weiss aber, das ich mir irgendwie komisch vorkam. Als ich dann auch noch einem Kerl, dem ich den Tag vorher vorgestellt wurde einen guten Morgen wuenschte und er laut loslachte "Har, he said 'good morning'" wars das dann erstmal.
Als ich am Abend im Bett lag kam ich mir vor wie das 5. Rad am Wagen "Was mach ich hier? Ich will nach Hause. Baeh." Ich nahm mein Handbuch zur Hand und blaetterte ein bisschen herum, bis ich den "Was mach ich hier? Ich will nach Hause. Baeh."-Abschnitt fand, in der Hoffnung irgend eine tollen Ratschlag zu finden. Aber alles was sie sagten war "Mach dir keine Sorgen, das geht vorrueber." "Na Klasse", dachte ich mir. "In einem Jahr?"


Wir haben heute den 15.4.03, sieben Monate und ein paar Tage spaeter und wie siehts aus? Das Handbuch hatte recht. Ich habe zwar keinen Freundeskreis, "der mich selbstverstandlich in seine Aktivitaeten mit einbezieht", aber definitiv einen wirklich netten Freundeskreis, zugegebenermassen besser, als ich es mir vorgestellt haette.


Bevor ich hier her kam, hatte ich eine Menge Berichte anderer Austauschschueler gelesen die von von einer art Ueberjahr sprachen, hemmungslose Freude uebers hiersein 24/7. Es ging soweit, dass ich mir vorstellte, wie der Austauschschueler waehrend eines Englischtests ploetzlich aufsteht, sich umguckt "Mensch is das geil hier."
Und natuerlich konnte es nicht es nachvollziehen. Ich freute mich schon irgendwie auf das Abenteuer, andererseits kam ich hier her und dachte mir "Naja, die hauptsache ist, dass du die Sprache lernst"
Mittlerweile, ungefaehr 7 einhalb Monate spaeter, kann ich die ganze Geschichte ploetzlich verstehen. Es ist nun nicht so, das man einen gigantischen Tag nach dem anderen hat, rund um die Uhr von Leuten unterhalten wird und laufend sein Lieblingsessen gekocht kriegt, aber es sind die kleinen Dinge, die sich einfach aufaddieren.
Ich erreichte dann irgendwann einen Punkt (vielleicht war es waherend eines Englischtests) wo ich mir dachte "Hmm ich war jetzt schon so lange hier... und es kommt mir gar nicht nach so viel vor."
In Buechern (fuer die unter euch die wirklich Buecher lesen) wird immer mal wieder davon gesproechen, wie einem ploetzlich das Leben vor den Augen vorbeizieht, in meinem Falle warens ein paar Monate aber es ist schon recht eindrucksvoll. Ich dachte also ueber all die Sachen nach die schon passiert sind, meine Ankunft, meine ersten Tage in der Schule, die Fussball und Basketballsaison (mit Highlights wie meinem Punkt waherend des Spiels gegen Lima, oder den Tiefpunkten wie endlose Stunden auf der Ersatzbank), meine Freunde hier etc.
Ich habe einfach eine ganze Menge gelernt- nicht nur die Sprache, sondern auch richtig banale Dinge, die "Unabhaengigkeit von Mama und Papa": Sandwich fuers Lunch machen, Waesche waschen, buegeln lernen, einfach alles.

Das wichtigste ist aber, dass ich gelernt habe, die kleinen Dinge, die einfach so passieren zu geniessen: Leute, die mir erzaehlen, dass sie mich wirklich gern haben und mich vermissen werden, wenn ich wieder zu Hause bin; Einfach nur rumsitzen und mich mit Leuten zu unterhalten und irgendwelche Insiderwitze zu machen; im Bus zu sitzen und mich mit Paul ueber Macs zu fachsimpeln, ram zu unterhalten; auf einen Fieldtrip der Foto-Class oder Art Histroy Class mitzukommen und einfach dazuzugehoeren, obwohl ich die Klasse nicht mal belegt habe; einfach jeden in meiner Schule zu kennen und eigentlich


 

16.3.03

Des Austauschschuelers Leben wird mit fortschreitendem Jahr zwar in vieler Hinsicht einfacher, andererseits ergibt sich ploetzlich eine voellig neue Herausforderung- der sich viele Leute garnicht klar sind.
Ich spreche hier von einer groesstenteils verschwiegenden Erwartungshaltung, dem Grund, warum die Austauschorganisationen "Ihr Kind kommt wieder nach Hause" Seminare anbietet.

Nachdem ich seit gut 2 Monaten ueberlegt habe, was ich denn bei meiner Rueckkehr anziehen werde, wie ich verhindern koennte, dass sich mein sorgsam gestyltes Haar sich waehrend der 8 Stunden im Flugzeug aufloest und ich am Ende aussehe... nun, wie jemand der 8 Stunden lang geflogen ist, fiel mir gestern Abend auf, dass die wirklich drastischen Veraenderungen ja weniger in der Kleidung sondern eher bei den koerperlichen Merkmalen liegen.

In dere Hinsicht hab ich schon einige (durchaus ergreifende) Geschichten gehoert: Ein kleiner, schuechternder, rothaariger Junge faehrt fuer ein Jahr weg und kommt mit schwarz gefaerbten Haaren und einer voll entwickelten Bodybuilderstatur wieder nach Hause. Am Flughafen erschreckt er seine Eltern nach anfaenglichen Wiedererkennungsproblemen dann auch noch mit einer komplett anderen Persoenlichkeit.

Und seien wir ehrlich: Veraenderungen ohne elterliche Kontrolle sind doch eigentlich der wahre Grund, warum wir in ein anderes Land fahren.
Ohne Gejammere von den Erziehungsberechtigten werden die Haare gefaerbt, Augenbrauen rasiert und sich irgend ein abartiger Bartwuchs zugelegt, so im Sinne einer Kreuzung zwischen Kotletten und Ziegenbart-look. Der brave Junge kommt als Punk wieder, der Britney Spears Fan als Heavy Metaller etc.

Ich betrachtete mich nun also im Spiegel. Vom Bartwuchs war aufgrund taeglicher Rasur nicht allzuviel zu sehen und aus Erfahrung wusste ich auch, dass die letzten 3 Monate fuer mich nicht ausreichen um irgend eine erwaehnenswaerte Gesichtsbehaarung heranzuzuechten. Von der Bodybuilderfigur mal ganz abgesehen.

Man hat es nicht leicht als Kind in einem anderen Land.


27.02.03

Das die Amerikaner absolut alles mit Erdnussbutter essen, ist ja fuer die meisten von uns schon kein Geheimnis mehr. Ruecksichtslos werden saftige Aepfel in Erdnussbutter getaucht, und ganze Festmaehler kulinarisch mit dem braunen Zeug vergewaltigt. Die wichtige Fragen im Leben lauten halt nicht "Wo kommen wir her? Warum? Wo ist Deutschland? Haben sie da auch den Mond?" sondern "Coke oder Pepsi", "Diet oder Regular", Sugar oder artificial sweetener" und halt auch "Crunchy oder Creamy?"

Wir Europaer haben das mittlerweile akzeptiert, sollen sie doch machen, was sie wollen, uns egal. Ein paar zarte Gemueter sind bei dem Gedanken an Peanut Butter auf Wurstbrot immernoch ein bisschen angewidert, aber seinen wir ehrlich: Diese Art von Leuten sind doch Verlierer, die Lappen der Gesellschaft.
(Nicht, dass wir viel besser waeren, dank Pulp Fiction weiss der Durchschnittsamerikaner von der Praxis Pommes mit Mayonaise zu essen, trotzdem konzentrieren wir uns hier doch lieber auf die Amerikaner)
"Hmm, Thunfischsalat... Erdnussbutter muss gut damit schmecken. Mochtest du auch welche? Warum guckst du mich so komisch an?"

Neulich sass ich in meiner Study Hall und machte meine Geschichtshausaufgaben, als ein Maedchen mir gegenueber ploetzlich einen Peanutbutter-Jelly Sandwich aus dem Rucksack zieht. (Ich fuer meinen Teil hab mich immer gefragt, warum die Dinger denn nicht irgendwie aestaetisch eingepackt werden koennen, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund wird das labberige Brot immer in einen zu kleine durchsichtige Plastiktuete gesteckt, so, dass die Marmelade an der Seite herausquillt. Ein Misterium fuer mich, aber was solls).

Wie auch immer, sie beisst also in den Sandwich und ich sage "Hey, hattest du mir nicht gerade gestern erzaehlt, dass du nur gesundes Essen isst?!" "Oh, das hier ist gesund, das ist keine echte Erdsnussbutter, sie ist aus Sojabohnen gemacht."

AHA!

Die folgenden Tage verbrachte ich mit dem konzentrierten Studieren von Zutatenslisten auf Dietprodukten und fand schliesslich heraus, dass absolut ALLES aus Sojabohnen hergestellt wird, was irgendwie die Aufschrift Diet traegt, das geht von einfachen Sachen wie Muesliriegeln etc. ueber auf Milch, Baconchips etc.
Und ich dachte, der Gedanke, Schinken aus Pute herzustellen sei irgendwie krankhaft ("Hey, bitte schneide ein wenig Schinken von der Pute ab").
Schmecken tuts genauso. nicht nur der Schinken ist taeuschend echt, die Baconchips schmecken nach Baconchips und nach Angaben von Erin in der Study Hall nun auch die Erdnussbutter.

Nicht nur, dass irgendwo in den USA gigantische, bis zum Horizont reichende Sojabohnenfelder existieren muessen, um die Nachfrage zu befriedigen (soweit das Zeug nicht aus irgend einem Dritteweltland importiert wird), nein, die Vorstellung Sojabohnen Ernussbutter auf ein anderes aus Sojabohnen hergestelltes Dietprodukt zu schmieren kommt mir doch irgendwie arg krank vor. Vielleicht geht es aber nur mir so.

In diesem Sinne,

Lars



8.2.03

Momentaufnahmen.

Wir spielen ein Basketballspiel gegen ein Team namens Lima Christian und sind ungluecklicherweise unglaublich am verlieren.

Die Sporthallte der Schule ist "tiny", wenn man auf der Bank zitzt muss man die Fuesse einziehen, um nicht den Court zu beruehren, es ist Lima's Homecoming, dementsprechend viele Leute da, ungefaehr ein drittel Schuyeler und Eltern von meiner Schule.

Ich sitze gerade auf der Bank und rede mit Aaron Wagner, einem meiner Teamkollegen ueber das Spiel, als einer unserer Spieler gefouled wird und, wie das im Basketball nunmal so ist, 2 Foulshots hat.
"Wow", sag ich. "Being put on the foulline is one of the worst things that could possibly happen to me..." Aaron: "Well, even if he puts you in and you gotta do some foulshots- what's the big deal? If you miss them nobody will remember and thats it. But if you put them in- everybody will remember forever".
Bevor ich ueberhaupt etwas sagen konnte, merkte ich ploetzlich, dass im Hintergrund ein "WE WANT LARS" Sprechchor ablief. Aufgrund der unausweiglichen Niederlage dreht sich mein Coach um: "Lars, they want you, go in".
Schulterklopfen von meinen Teamkollegen, ich tierisch nervoes lauf auf den Court.

Wie schon frueher mal erwaehnt komme ich nicht wirklich oft ins Spiel rein, in der kleinen Sporthalle ist die Freude also riesengross, es ist unglaublich laut, alle bruellen und kreischen rum und ich mittendrin.
Ich hab ehrlich gesagt nicht viel von dem Spiel in Erinnerung, hoechstwahrscheinlich, weil ich nur fuer knapp eine Minute drin war. Ploetzlich bekommte Derek den Ball zugepasst, faengt ihn aber nichtl. einer der Lima Spieler greift den Ball und laesst ihn fallen, er prallt vom Boden ab genau auf mich zu, ich schnapp mir den Ball, denke "Yea, Lars, you actually got the ball!" Im selben Moment foult mich ein Lima Spieler, der Schiedsrichter pfeift. Mir war zu dem Zeitpunkt nicht zo wirklich klar, dass ich gefoult wurde, insofern stand ich mit allen anderen Spielern nur fuer ne Sekunde rum, da bruellt unser Assistant Coach "Lars, you got 2 freethrows", der Coach und Charlie bruellen "like in practise!" und ich bin total von den Socken.

Ich werd jetzt versuchen das so genau zu beschreiben, wie moeglich- in erster Liene dafuer, dass ichs niemals vergessen werd :)

Ich laufe also zur anderen Seites des Spielfeldes an die Foulline , in dem Moment sind die Finney Fans nicht mehr zu stoppen, die Cheerleader sind unglaublich laut. Ich erwische mich dabei bloed zu grinsen und versuche einigermassen ernst auszusehen.

"S-I-N-K sink it Lars, sink it!" hoer ich von den Cheerleadern, der Ref dribbelt den Ball, wirft ihn mir zu "Two shots, go". Ich dribbel den Ball 3 Mal (so wie Charlie mir beigebracht hatte) dreh ihn in meinen Haenden, werf- daneben. der Ref nimmt den Ball und ich starre nur auf den Korb.

Jetzt im Nachhinein muss ich an die Formulierung "das Leben zieht an einem vorueber denken" ich dachte in dem Moment aber nur an die Soccer Season, wo ich wesentlich oefter gespielt, aber ausser einem Schuss an den Pfosten nie wirklich was zustande gebracht hatte. In dem Moment sah ich nur das Team in der Cafeteria sitzten und die Statistiken angucken- ich war nicht einmal mit drauf.

Ich starre also auf den Korb und denke mir "This is probably the only opportunity to score you'll ever have". Ich dribble den Ball drei mal, drehe ihn, werfe und er geht rein.

Es war schlichtweg unbeschrieblich, Derek kam rueber, gratulierte mir, ich rannte zurueck zu dem anderen Korb, bruellte nur "I FREAKIN" SCORED", das Gym ist unglaublich laut, denn damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Die letzten 20 Sekunden des Spieles nehm ich garnicht mehr richtig war, dann summt der Summer, das Spiel ist zuende. Josh aus meinem Team kommt auf mich zugerannt, das ganze Team hinterher, ich werd umaermt, hochgehoben mir wird gratuliert- es war nur ein Punkt aber hey- ich bin mit abstand einer der schlechtesten Basketballspieler den man sich vorstelllen kann, hunderte von Leuten gratulieren mir, die Cheerleader umarmen mich "YOU SCORED".

Mir fehlten ehrlich gesagt die Worte in Englisch.


18.1.03

Brrrrrrrrrr. Draussen haben wir ungefaehr -10 Grad (Celsius) und gut 15 cm Schnee, ich sitze im relativ kalten Haus (vielleicht bin ich auch kalt ), drinke warmen Tee und hoere Musik. Meine Gasteltern sind gerade in der Kirche und mit nix zu tun, niemandem im ICQ oder AIM und keiner neuen Email kommt man sich dann doch mal ein wenig alleine vor, insofern dachte ich mir ich koennte mal wieder etwas neues schreiben, denn seit Dienstag bin ich emotional in den 7. Himmel das Basketballspielens aufgestiegen, denn mein Coach hat mir durchs einwechseln in der sprichwoertlich letzten Minute die besten (festhalten) 1,2 (!) Sekunden Spielzeit meines Lebens beschert.

Ich habe das Ganze mal zum Anlass genommen um eine kleine Rechnung anzustellen: Wir hatten Training jetzt seit 2 einhalb Monaten, 5 Tage die Woche, jeweils 2 Stunden 20 Minuten im Durchschnitt. Das macht eine Gesamtzeit von 4 Tagen und grob 9 Stunden Training. Soweit so gut. Gespielt habe ich schon einmal vorher sagen wir mal eine Minute in einem anderen Spiel, dazu kommen jetzt die 1.2 Sekunden von Dienstag, was gesamt 61.2 Sekunden macht. Fuer alle 1.7 Stunden Training krieg ich also eine Sekunde Spielzeit, unglaublich!

Das mag sich jetzt enorm depressiv anhoeren, aber im Gegenteil versuche ich immernoch meinen Spass an der Saison zu haben: Grinsen und denken "All you need is love, bro", wenn der Coach wieder ausrastet oder trotz aller Frustration nach weiteren 32 Minuten auf der Bank zu denken: "Hey, you are playing Varsity Basketball!" macht schon mal einen grossen Teil aus.

Und was gibt es schoeners als im Auto zu sitzen und mir von Brandigan anzuhoeren: "Lars, you're gonna smoke the Germans at Basketball in PhysEd at home"- LayUps gehen auf jeden Fall schon mal nicht mehr daneben, Shots werden besser und das Publikum bei den Spielen liebt mich: Wenn ich tatsachlich mal eingewechselt werde, dann ist die Hoelle los, nach jedem Spiel, was ich auf der Bank verbracht habe kommen bestimmt 10 Leute um mir auf die Schulter zu klopfen und mich erwartungsvoll anzusehen. Ich setze mein Grinsen auf und sage: "Hey- I did great. Didn't miss any layups, didn't miss any shots, Coach didn't yell at me and I'm not even exausted after the game any more- due to all that practise."
Sie grinsen- "See ya in school tomorrow"


23.12.02

2 Mal werde ich noch wach… heissa? Hmm, Weihnachten ist irgendwie seltsam dieses Jahr, vielleicht liegt das an dem Plastikbaum im Wohnzimmer, vielleicht daran, dass ich noch nicht das kleinste bisschen Lebkuchen gegessen hab, vielleicht auch dadran, dass der gute Weihnachtsmann in diesem Jahr englisch spricht und ich schon von vornherein so traumatisiert war, dass ich heute den Salvation-Army-Glocken-laeutenden Herrn in rot darauf angesprochen habe, ob er echt sei oder nicht. Das Ganze nur, um 5 Minuten spaeter im Inneren der Mall einen zweiten Weihachtsmann anzutreffen, der die Verwirrung komplett machte und das Kind in mir leiden liess.

Ja, ich war in der Mall, 2 Tage vorm amerikanischen Wihnachten, weil ich fuer meinen Hostfather noch ein Weihnachtsgeschenk in letzter Minute erstehen musste. Und wenn man sich langsam aber sicher zwischen vom Weihnachtstress durchgeschwitzten Personen mit gigantischen Einkaufstueten durchzwaengt, im 2 Sekunden Takt “excuse me” sagt und danach am anderen Ender der Mall immernoch keine Geschenkidee hat, dann erschliesst sich einem der wahre Zauber des Weihnachtsfestes.

Ja, ich habs versucht. Ich habe mir sowohl Charlie Brown Christmas als auch die Muppets Christmas im Fernsehen reingezogen, alle 5 Minuten demonstrativ aus dem Fenster in den Schnee geguckt und mir im Dollar Tree eine Weihnachtsmannmuetze gekauft, aber trotzdem kommt die gute alte Weihnachtsatmosphaere nicht im Geringsten auf.
Zudem ist mir kalt und der Kommerzwahn im Radio geht mir auf den Geist. Ehrlich, koennte man Kommerz nochmal eintueten und verkaufen- hier wuerde es im Radio beworben werden.

24.12.02

Brr, braune Weihnachten soweit, draussen herrscht Schneematsch und Wind.

Am Nachmittag ein Telefongesprach (schon das dritte, seit ich hier bin J mit meiner Familie in good ol’ Germany, drueben haben sie shcon alle Weihnachtsgeschenke ausgepackt und das Weihnachtsessen gegessen. Ich schmeiss die Weihnachts-CD in den Player und ess einen Jogurt.

Morgen planen wir ins 2 Stunden entfernte Syracuse zu fahren und dort frohelich Turkey zu spachteln- erinnert irgendwie an Thanksgiving. Diesmal gibts aber als Festmal Lasange dazu.

Vorher pflegen wir die brave Christentratition und gehen in die Kirche, aber nicht ohne vorher einen Park zu besichtigen (=mit dem Auto durchzufahren), der mit allen moeglichen Weihnachtslichterketten, Figuren und Symbolen (die amerikanische Flagge) beleuchtet ist.
Schnell lass ich noch ein Bild von mir mit einem leuchtenen Weihnachtsbaum schiessen, dann gehts weiter zur Kirche.

25.12.02

Und der grosse Tag war endlich da. Er begann damit, dass mein Hostfather die Stufen zu meinem Dachboden hochkletterte um mir zu berichten, dass wir nicht nach Syracuse fahren wuerden- der Blick aus dem Fenster zeigte mir ganz schnell warum: Ueber Nacht hatte es gut 15 cm geschneit und wie konnten das Auto wohl nicht mal aus der Garage rauskriegen. Innovativerweise schlug ich neue Schneebefreiungsmoeglichkeiten a la Foen mit Verlanegerungsschnur vor, wir einigten uns jedoch darauf, spaeter den Weg freizuschaufeln.

Und wieder einmal geb ich nicht-wissenden eine weitere kleine Einfuehrung in amerikanisches Kulturgut: Weihnachten ist im Land der Unbegrenzten Moeglichkeiten am 25. Dezember und man packt seine Geschenke am Morgen aus. Wusstet ihr wahrscheinlich schon. Das normale Ami-Kind steht aber schon so gegen 4 oder 5 Uhr morgends auf und schlaegt Krach, damit die ganze Familie nach viel zu wenig Schlaf sich ins Wohnzimmer zum Auspacken quaelt.
Da ich hier ja gewissermassen ein Einzelkind bin, hatte ich mir urspruenglicherweise vorgenommen, genau dasselbe zu machen, wachte aber erst um 10 auf.
Meine Hostmum, ihres Zeichens chronische Langschlaeferin, war auch an diesem Tag nicht vor 12 Uhr ansprechbar, insofern machte ich es es mir auf der Coach bequem und guckte mir ungeheuer weihnachtlich “Blade Runner” auf Video an. Als ich damit fertig war, gings dann auch schon ans Auspacken.

Was hatte ich bekommen? Einen Bademantel, genaeht von meiner Gastmutter; einen Schal mit der amerikanischen Flagge als Motiv (ebenso hangenaeht); 3 T-Shirts; eins mit dem Aufdruck “Cooperstown NY” (surrender.de insider wissenvon unserem Trip dahin :); eins mit dem Aufdruck “California” von den in California lebenden Eltern meines Gastvaters und noch eins von ihnen, diesmal aber mit Bild von einem San Francisco Cable Cart und dem Schriftzug “San Francisco, CA”; eine Amerika-Lampen Lichterkette, die jetzt meine spaerlich beleuchteten Dachboden ein wenig aufhellt, von den leiblichen Eltern einen Pullover; eine CD (Morcheeba- Big Calm, falls es jemanden interessiert); deutsche Schokolade (immer ein willkommendes Geschenk) und das wars glaub ich auch.
Hmm, wolltet ihr jetzt vermutlich garnicht wissen, aber ich habs einfach trotzdem mal geschrieben, damit ich mich in 20 Jahren mit dieser Webseite an Weihnachten 2002 erinnern kann.

Nach dem Auspacken und dem Fruehstueck brachte ich ein wenig Krams zu Freunden meiner Gastfamilie rueber, bei denen wir als Syracuse-Ersatz unseren Turkey haben sollten und hatte mir vorgenommen auf dem Rueckweg ein paar Bilder zu machen. Leider kann man mit Handschuhen schlecht auf den Ausloeser druecken und schon garnicht die kleinen Knoepfe bedienen, insofern hatte ich bei meiner Rueckkehr wieder die bewaehrten kalten Flossen.

Wir hatten darauf unser Weihnachtsessen, spielte anschliessend mit Sam, Sohn der Familie und auf Weihnachtsferien von seinem Freshmen-Year im College, und meinen Gasteltern “Das verrueckte Labyrinth”, wo ich meine grauenvolle Niederlage auf die mir unbekannte englische Sprache schob J.

Am Abend, so gegen 11, sass ich gerade vorm PC und schrieb eine eMail (ja, ich bin einer dieser Idioten, die an Weihnachten ihre eMails checken, anstatt mit der Familie unterm Baum zu sitzen und “Stille Nacht” zu traellern, tut mir leid), als in mir ploetzlich der enorme Wunsch anwuchs, aller Vernunft zuwider nach Draussen zu gehen und einen gigantischen Schneemann zu bauen, denn mir war bewusst, dass meine Wahrscheinlichkeit, jemals wieder so viel Schnee zu haben, sehr gering war, es sei denn ich beschloesse ploetzlich nach Groenland zu ziehen und einen Grossmarkt fuer Starkstromrobbenfaenger oder so was aufzumachen.
Als ich meinen Gasteltern von diesem Gedanken (ueber den Schnee, nicht den Robbenfaenger) erzaehlt meinten sie nur “What about the snow tomorrow?” und in meinem kindlichen Leichtsinn ging ich natuerlich davon aus, dass es mit dem Schnee ja auch am naechsten Tag nicht viel schlimmer sein koennte.

Gluecklicherweise hatte ich Schnee-Gummi-Ueberschuhe zu Weihnachten bekommen “So you don’t have an excuse for not shoveling the driveway any more” und konnte nun das erste Mal ohne meine doch irgendwie weniger heavy-duty Adidas-Sommerschuhe einen Schritt vor die Tuer setzten.
Draussen Schnee soweit das Auge reicht. In meinem Kopf die Vision eines hausgrossen Schneemannes und der Schlagzeile im Democrat & Chronicle: “German exchange student builds snowman. Kills two 3-year olds by making it fall over while putting a carrot-nose in the head”
Ich rieb mir meine behandschuhten Haende und griff nach der Schneeschaufel. Schaufelte. Versuchte in guter alter Scheemann-Manier einen kleinen Schneeball auf dem Boden herumzurollen, bis er zu einer grossen Kugel wurde.

20 Minuten spaeter hab ich nicht nur kalte Hande von meinen total durchnaessten Handschuhen, sondern auch ne enorme Wut auf den uebelst pulverigen New Yorker Neuschnee, der sich so garnicht zu einem Schneemann formen lasst. Ich ueberlege mir, ob ich ausrasten und mit der Schneeschaufel auf dem Schnee rumkloppen sollte, entschliesse mich aber im Endeffekt dafuer, lieber reinzugehen und mich in mein hoffentlich warmes Bett zu legen. Brr.

Alles in Allem ein etwas seltsames- weil anderes- Weihnachten, was aber durchaus nicht schlecht war und ich mich bestimmt spaeter gerne dran zurueckerinnern werde

26.12.02

Ich werde ausgenutzt! Hatte ich mich doch ein paar Absaetze vorher noch darueber geaeussert, wie schoen es ist, als Einzelkind zu Weihnachten nicht um 4 von einem 6-jahrigen Balg geweckt zu werden, wird mir schliesslich des Einzelkindes schreckliches Schicksal bewusst… erzwungender Muskulaturaufbau durch Schneeschieben.
Weisse Weihanchten sind ja ganz nett, das hier sind aber definitiv ZU weisse Weihnachten, die 15 cm sind mitlerweile zusammengesackt und haben eine 2 cm dicke Eisschicht gebildet, der mir in meinen “ich geh zur Mall und verprass mein Weihnachtsgeld” Plaenen im Weg steht. Und ich mit der Schneeschaufel mitten drin.

Wieder einmal kamen meine Schneeschuhe zum Einsatz, als ich am Koerper mehrere Schichten Winterkleidung, im Ohr die Kopfhoerer des MiniDisc Players mit anheizender Linkin Park Musik, auf dem Kopf ne Muetze und um den Hals meinen Amerikafahnenmotiv-Schal nach draussen gehe.
Die naechsten 45 Minuten verbringe ich mit agressivem Rumhacken auf der Eisschicht draussen, bis schliesslich das Schwarz des Asphalts wieder durch den Schnee durchscheint und mir der Ruecken weh tut (armsehligerweise jammer ich auf meiner Webseite immer nur rum, wird mir gerade bewusst). Ironischerweise faengt es gerade wieder an zu schneien, als ich zum Haus zurueckstapfe, die CD fast zu Ende ist und Chester froehlich “I tried so hard and got so far but in the end it doesn’t even matter” singt.

Zurueck im Haus raus aus den nassen Klamotten, warme Dusche und schnell per Brot-o-Mat, oder wie immer man das Teil in Deutschland nennt, ein Brot gebacken (irre, was der Junge alles kann) und dann zur Bushaltesstelle gerannt um weiterer Hausarbeit zu entgehen.

Die Bushaltestelle ist nun wirklich nicht weit entfernt, der Bus sollte 5 Minuten spaeter kommen, insofern hatte ich weder Handschuhe noch Muetze, geschweige denn Schneeschuhe angelegt und bestieg dann, um die Leichtfertigkeit zu komplemettieren auch noch in den falschen Bus, was mir allerdings erst auf dem halben Weg nach Greece (ja hier haben die Staedte Laendernamen, ich kann in 10 Minuten von Schweden nach Griechenland fahren…) auffiel.
Dank des netten Busfahreres hielt ich nun ein Transferticket in der Hand und hatte nix als meinen blossen starken Willen um zurueck nach Rochester zu latschen, was ich dann auch gemacht habe, kam sogar relativ rechtzeitig fuer den nachesten Bus an der Haltestelle an, war bloss bis auf die Knochen durchgefroren und sass dann im Bus, zum Erstaunen meiner Mitfahrer schon fast in der Heizung, als nur daneben.

31.10.02

Party people!

Es began damit, dass zu nachtschlafendender Zeit (8 Uhr morgends) ploetzlich mein Wecker anfing einen Country Sender zu spielen und ich gezwungendermassen aufstehen und zum Basketball musste. Da ich aber noch ein bisschen Zeit zwischen Fruehstueck und Abgeholt-werden hatte, ging ich schnell im ICQ online, wo die halbe Welt ploetzlich beschloss, mit mir zu sprechen J Vielleicht sollte ich einfach immer um diese Zeit aufstehen, dachte ich mir, musste dann aber schon los zum Basketball.

Training war relativ normal, nix besonders passiert, doch als ich wieder nach Hause kam, musste ich meine Suche nach einer Mitfahrgelegenheit zu einer Silvesterparty fortfuehren, denn ich hatte schon die anderen Tage niemanden gefunden, der auf der Westside von Rochester lebt und zu der gross angekuendigten “Senior”-Party gehen wollte/konnte.

Ich weiss nicht, wie es in anderen Staaten aussieht, aber hier scheinen Leute in meinem Alter zum Jahreswechsel lieber vor der Playstation zu versauern und dann fuer 5 min den Fernseher zum neuen Jahr einzuschalten, als ausser Haus irgendwo eine Silvesterparty zu feiern.
Im Endeffekt fand ich also heraus, dass niemand, den ich kannte zu dieser Party ging und es sich damit ja eigentlich auch irgendwie erledigt hatte.

Meine aufregenden Plaene fuer Silvester sind also wie folgt:
Nachdem ich hier mit dem Schreiben fertig bin werd ich irgend ne Kleinigkeit zum Essen haben, anschliessend in die Kirche (*jubel* wer hat je davon gehoert zu Silvester in die Kirche zu gehen?), danach zu den Freunden meiner Gastfamilie, wo wir auch schon Thanksgiving hatten.

Nachdem ich heute meinen Tag ganz assig mit Cornflakesessen vorm Computer begonnen hab werd ich ihn mit Footballgucken ausklingen lassen… mal sehen, was das neue Jahr bringt. J

1.1.03

Es ist halb 4 in der Nacht, ich bin vor 20 Minuten wieder nach Hause gekommen immernoch ganz benebelt vom uebermassigen Knosum von Sparkling Grape Juice, vom 3 stuendigen Kirchgang (gmpf) und meinem Mitgesinge zu alten Beach Boys Schnulzen im Auto.

Hab ein wundervolles Silvester verbracht, Lansange gegessen, um Mitternacht feierlich ne Flasche Diet Pepsi aufgemacht und die Lifeuebertragung vom “Balldrop” im New York Times Square angeguckt, mit nem Hund gespielt und mir nen alten John Wayne Streifen angesehen.

Komm nach Hause, schmeiss ICQ an (jaja) wo mir erstmal wieder eine dieser “Hey, wir gehen mit Alkoholvergiftung ins neue Jahr” Geschichten um die Ohren gehauen wird. Im Stile “Mich hat jemand angekotzt, ist das nicht lustig?” Brech vor Lachen und Muedigkeit fast zusammen und geh jetzt erstmal ins Bett. Frohes Neues!


30.11.02

Uh, schon der 30. November. Es ist schon wieder fast einen ganzen Monat her, dass ich von meinen tollen Erlebnissen zu Halloween berichtet habe und schon wieder hatten wir vorgestern ein grossartiges Stueck amerikanischer Kultur: Thanksgiving.

Ich hatte es, wie ja schon einigen Leuten bekannt sein sollte, geschafft, mir puenktlich zu diesem Feiertag den fiesen Grippevirus einzufangen. Ich waere aber nicht maennlich, wenn ich mein Leiden jetzt nicht auf mindestens 3 Absaetzen breittraete:

Das bemerkte ich aber erst, als ich am Tag zuvor mit meiner Gastmutter durch Rochester fuhr, Sachen zur Post brachte, Brot kaufte, mich mit einem entsetzlich leidenem Gesicht durch einen Textilienladen geschleppt hatte und schliesslich, nach stundenlangem Schwindelgefuehl, Schuettelanfaellen und dem wunderbaren "Hey, ich komm mir irgendwie scheisse vor"-Gefuehl einfach nurnoch "Hey, can't we just go home" vor mich hin knurrte.

Im Endeffekt endete ich dann mit einem wunderbar warmem Becher Kaffee in Starbucks, waehrend meine Gastmutter noch Schuhe aus der Mall abholen musste. Klingt seltsam, aber ich war richtig dankbar dadrueber: Ich lag nicht zu hause im Bett, tat mir selbst Leid und fragte mich, wie um alles in der Welt man auf dem Ruecken liegend ein Taschenbuch offenhaelt, ohne einen mittelschweren Fingerkrampf zu kriegen, sondern sass in Starbucks. Und Starbucks ist definitiv eine meiner Lieblingslocations, weil der Kaffee so schweineteuer ist, dass dort eigentlich nur Leute der gehobenen Klasse ihren 3 Dollar Kaffe trinken und ihren 5 Dollar Muffin essen, gemuetlich Zeitung lesen und sich vermutlich ungeheuer versnobt, edel und wichtig vorkommen. Und ich mittendrin. Wow.

Wie auch immer, ich kam also schliesslich nach hause und hatte dort einen wunderbar kurierenden Schlaf von gut und gerne 12 Stunden, kam mir am naechsten Morgen auch nicht mehr so krank vor und fuhr schliesslich mit meinen Gasteltern zu Freunden von ihnen zum gemuetlichen Thanksgiving Essen.

So, fuer alle Nicht-Amerikaner, die in der 8. Klasse im Englischunterricht beim Thema Amerika nicht aufgepasst haben: Thanksgiving ist ein traditionelles Truthahnessen, dessen Sinn anscheinend niemandem klar zu sein scheint.

Wir debattierten also lustig drauflos und hatten nach wenigen Minuten die "Thanksgiving is giving thanks to God for a good harvest(=Ernte)" sowie die "Thanksgiving is a traditional celebration of the pilgrims giving thanks to the Indians for helping them survive in the first year" Fronten aufgebaut, rissen uns also verbal die Koepfe vom Hals und die Cranberrysosse aus den Haenden und hatten im grossen und ganzen Spass beim Essen.

Eine weitere Tradition von Thanksgiving ist, sich nach dem Essen, wenn man sich schon so richtig schoen fett und vorquollen vorkommt, aufs Sofa zu hauen und Fernsehen zu gucken, in unserem Falle ein alter James Bond Schinken.

Klein Lars konnte natuerlich wieder nicht stillsitzen und bewunderte die bereits aufgebaute Weihnachtsdekorierung um und im Haus, inklusive abartiger Porazellanteile, die auf Haendeklatschen Weihnachtslieder spielen etc.

Danach assen wir dann noch Kuchen, fuhren nach Hause und guckten noch nen bisschen Fernsehen. Was ein Tag.


Heute, kaum den Truthahn verdaut, gings schon wieder frueh aus dem Bettchen zum Basketballturnier nach East Rochester.
Nach dem Fruehstueck vertrieb ich mir meine Zeit mit froehlichem Fischfuettern und paranoiden Gedanken: Es gibt naemlich einen Warmupdrill, den ich jedes Mal aufs groebste verpatze, wie ein Bekloppter in falsche Richtung durch die Sporthalle laufe und schliesslich Korblege mache, wenn ich eigentlich den Ball weiterpassen soll etc.

Ich dneke mir immer, wie die Cheerleader auf der anderen Seite fluesternd ihre Kopfe zusammenstecken: "Hey, it's the German again". Das gute Gefuehl dabei ist, nicht mich selbst, sondern unseren ganze Nation als Sportversager dastehen zu lassen.

Nicht wirklich, grausige Tatsache ist aber, dass mein Coach mir diesen doch etwas komplizierteren Drill nie beigebracht hat, waehrend die anderen ihn lernten, konzentrierte ich mich auf professionelles Ball-gegen-die-Wand-werfen und lernte die Basis zu meinem mittlerweile unglaublichem Talent.

Wie auch die letzten Male war meine Angst gerechtfertigt, ich verpatzte den Drill @ East Rochester (nicht so schlimm wie die letzten Male), wurde anschliessend von meinem Coach zusammengebruellt, die alte "I take you out of the drill" Leier.

Hey, der Tag hatte jedoch ein totales Highlight: So nenne ich doch seit heute ein komplettes Basketballoutfit in Finney-Dunkelgruen mein eigen, das, zur Kroenung des Ganzen meinen Namen traegt.

Bevor mich irgend jemand fragt: Ja, es macht mir Spass uebers eigene Versagen zu schreiben, weil ich so da Gefuehl habe, immernoch ueber mich selber lachen zu koennen, was meiner Ansicht nach besser ist, als hier auf den grossmaeuligen Sportidioten zu machen, der ich nicht bin und auch niemals sein werde.

Fuer unsere geschaetzten Leser von wo-auch-immer, die mich nicht kennen: Auch wenn es sich so anhoert, ich bin kein kleiner, fetter, zynischer Versager, der die Welt durch seine 5 cm dickem Brillenglaeser sieht und sich seine eigenen Interpretationen zusammenleiert.

Und, ja, ich uebertreibe immer gerne ein bisschen, weil es mir das gute Gefeuhl gibt, dass die Leser meine Berichte besser finden, als knochentrockende Reportagen ueber einen sich online selbst-profilierenden Idioten.

Brr, das klang jetzt viel zu ernst. Schreibt mir ne Email, wenn ihr mich fuer das obengenannte haltet. Danke :D

Lars


26.11.02

Ausnahmezustand.


Ich hatte gerade eben ein kleines Basketballfreundschaftsspiel gegen ein Schule namens Greece Odyssee. Im Prinzip nichts besonders, es waere auch eine Luege, zu behaupten, es sei etwas Spektakulaeres passiert.

Wie immer hat der Coach mich zusammengebruellt und ich habe heulend auf der Ersatzbank gesessen, mich von einer Lebens/Identitaetskrise durch die naechste gefressen, bis das Spiel schliesslich zu Ende war.

Ich packe also froehlich meine Sachen,laufe zur Tuer, oeffne sie und bleibe mit offenem Mund fuer eine halbe Minute stehen.

Nachdem ich ca. einen halben Liter feinsten Rochester Schnee unfreiwillig nachschmecken durfte, schliesse ich die Tuer und gucke mir die Bescherung draussen an: Gut 7 cm Schnee, gefallen in den eineinhalb stunden, die ich in der Schule verbracht hatte, bei unsere Ankunft war der Boden noch knochentrocken und kei Schnee weit und breit zu sehen.

Was nun folgte, hab ich in meinem Leben noch nicht erlebt, ich wurde von meinem Gastvater abgeholt und wir fuhre durchs frischgefallende Winterwunderland, vorbei an Autos im Graben, sich in der Mitte der Fahrbahn drehenden Autos und dichtem Schneegestoeber.

Welcome to Rochester, New York.

Ich war auf jeden Fall noch nie so nervlich angespannt wie die zehn Minuten im Auto. Wenn sich ein anders Auto gerade mal 10 Meter von einem entfernt ploetzlich zu drehen anfaengt, dann weiss man ploetzlich auch warum.

Wie ihr seht, hab ich es "nach Hause" geschafft, mit dem festen Entschluss diesen Winter nicht mehr das Haus zu verlassen und die Wunsch "Haetten sie mich doch in Maiami Beach plaziert!"

Uebermorgen ist uebrigends Thanksgiving, ein weiteres amerikanisches Hochevent nach Halloween, was ich wieder bildermaessig dokumentieren werde. Das heisst konkret, dass ihr naechste Woche unbedingt wieder die Webseite checken muesst, wenn ihr nicht von mir per Email genervt werdne wollt.

Ich geh jetzt aus ner alten Decke und zusammengeklebten Streichhoelzern Schneeschuhe bauen,

Lars


16.11.02 Anmerkung nach dem Probelesen:

Eigentlich kann man es nicht Bruellen nennen, das ist das falsche Wort. Niemand, der dafuer bezahlt wird, bruellt. Er singt eher. Er singt laut und ohne Melodie.

Und wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

16.11.02

5.50 am. Der Wecker. Den Knopf gedrueckt, aufgestanden, geduscht, gefruehstueckt, runtergerannt, wieder raufgerannt um vergesene Sachen zu holen.

8.00 am. Dear heavently father. Taegliches Homeroom gebete um angerissene Fussnaegel, Familienmitglieder, die durch Ohio traveln oder einer sonstigen unnachvollziehbaren Gefahr ausgeliefert sind. Pizza bestellen? Nicht schon wieder. Frustrierter Blick in der Rucksack: 2 Kaesesandwiches. Am Vortag getoastet. Sehen aus wie Botscheiben, schmecken aber wie Waschlappen mit Marshmallows. Uah.

8.10 am. Locker. Kaesesandwich aus dem Rucksack kratzen, in den Locker schmeissen. Health class. Jubel.

8.15 am. Lieblingsfach Health. Heute: Selbstbewusstsein.

Und langsam wache ich in meiner Lieblingsklasse Health auf. Gibt es etwas schoeneres als am fruhen Morgen ueber niedriges Selbstbewusstsein nachzudenken? Kaum bin ich bei vollem Bewusstsein, da faellt mir ein, dass ich gestern meine Quarter Report Card in der Post hatte. Wow, nur A und A+. Durchschnitt von 99% in Spanisch. Einerseits hab ich zum ersten mal das fiese 'Du bist ein Streber' Gefeuhl im Hinterkopf, anderseits fuehl ich mich als das Beste, seit der Erfindung des Toastbrotes. Dann auch noch ne gute Note in meinem 2 seitigen Entscheidungsprozess-Essay 'Should I give my German chocolate to kids at Finney in order to make friends?'

Mein Selbstebewusstsein kennt an diesem Tage also keine Grenzen, ich schwebe wie auf Wolken durch die Schule. A! A+! Wohar.

Das Ganze zieht sich gut den ganzen Schultag hin, schliesslich ist es 2.50 pm. "You guys can go".

Und nach dem ich 2 Stunden lang quasi garnicht sgemacht habe, oder auf gut Deutsch gesagt Zeit totgeschlagen hab, geht es los zum Basketballtraining mit unserem lieben Coach dem Beruchspsychopaten.
Dier ersten 5 Minuten gestalten sich noch als normal, in bester christlicher Schultradition wird zum wiederholten Male der heavently Father belaestigt und anschliessend eine kurze Ankuendigung gemacht. "I don't feel like screaming today, guys, so better do the drills right".

Ahahaha. Gute Idee. 2 Minuten spaeter kommt einer meiner Teamkollegen auf die Idee waehrend einer Drillerklaerung was zu sagen. "CAN YOU DO ME A FAVOR?! SHUT UP!!!", toent es zaertlich von unserem Trainer.

Hmm. Und als klein Larsi nach 2 Stunden Training, zahlreichen misslungenden Korblegern und einem arg einbebrochendem Selbstbewusstsein zum aller ersten Mal in eins der komplizierteren Trainingsspiele einbewechselt wird, erfreuen sich seine Ohren an dem schmeichelen 200-dezibel Gebruelle von dem Mann mit dem "Finney Coaching Staff"-Shirt.

"DO YOU WANNA BE PART OF THE TEAM?" "yeah" "DO YOU WANNA PLAY?" "definately" "THAN FREAKIN' FOLLOW YOUR MAN!"

The Intimidator schlaegt kurz vorm Ende noch mit einem filmreifen Basketball-mit-200km-durchs-Gym-gekicke zu und laesst auch die letzten Zweifler an seiner Autoritaet verstummen.

5 Minuten spaeter: "And don't take coach serious. He wants us to win" Verstaendenes Nicken von allen. "He does. And we can make it. Bring it in, Team on three."


10.11.02

Ich bin gerade von einem 3-taegigem Trip aus Cooperstown, NY wiedergekommen, DIE Stadt mit der einzigartigen und unvergesslichen Baseball Hall of Fame, die gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist.
Ich hab aber nen Foto von aussen gemacht und mich koeniglich mit dem 4 jaehrigen Kind, der Familie, die wir dort besucht haben, amuesiert.

Und nachdem ich nun wieder hier bin und begeistert die 10 eMails abrufe finde ich heraus, dass meine Austauschorganisation meine Webseite liest... ob ich als gutes oder schlechtes Beispiel im naechsten Eurovacances Handbuch lande, weiss ich aber noch nicht ;)
In diesem Sinne Gruesse nach Hamburg, bin soweit zufrieden mit euch :)

Und danke auch fuer die netten Eintraege in meinem Gaestebuch von all meinen regelmaessigen Lesern... ich fang bald an mir wichtig vorzukommen, passt bloss auf!

Lars


4.11.02

Was fuer eine Ironie. Wir erinnern uns zurueck: Ich hatte kurz nach meiner Ankunft in den USA angefangen mich mit taeglichem Fussballtraining sportlich zu betaetigen und damit anscheinend unbeabsichtigt anderer Leutes Weltbilder auf den Kopf gestellt.
Und damit nicht genug. Ich hatte zwar die meisten Spiele aktiv die Ersatzbank gewaermt, docht schaffte es mein Team in die Fussball Sectionals, wo wir leider das Halbfinale verloren.

War aber nicht meine Schuld. Nun, die Saison war ploetzlich zuende und ich hatte jeden Nachmittag frei. Einerseits ganz schoen, faengt es doch hier schon an zu schneien und ich kann meine sensationell kalten Flossen in der Lunchbreak fuer Geld begrabbeln lassen, anderseits irgendwie traurig. Ich hatte, als wir vom kalten, regnerischen Feld liefen schon fast das Gefuehl, als waer mein ganzen Jahr hier drueben zuende, ich wusste einfach, dass ich nie wieder so eine Saison oder ueberhaupt so ein Erlebnis in meinem ganzne Leben haben wuerde.

Die Idee, mir jetzt einfach die imaginaeren Traenen aus der Gesicht zu wischen und mit einem schlecht gepfiffenem Lied auf den Lippen und gemessenden Schrittes ins Buero des Coaches zu spazieren und mich fuer Basketball anzumelden, schien mir undenkbar.
Jahrelang hatten mir meine besten Freunde (ha! ;) eingeredet, dass ich ne Niete in Sport sei, was, wir wir alle wissen, darin gipfelte, dass ich mir schliesslich ein T-Shirt mit dem Aufdruck 'SPORT-GOTT' anfertigen liess.

Half aber alles nichts. Sobald jemand auch nur ballfoermige Objekte erwaehnte, wollt ich mich am liebsten verstecken und am Daumen lutschen, leider geht dass ja im 21 Jahrhundert und mit 17 Jahren nicht mehr.

Zusammenfassend: Ihr seid schuld.

Wie auch immer, um mal wieder auf das eigentlich Thema zurueckzukommen, ich hatte eine Woche lang jeden Nachmittag frei, fuhr nach der Schule nach hause und hatte nicht wirklich was zu tun.

Wie gross auf meiner Startseite angekuendigt, hab ich mich schliesslich entschlossen Basketball zu spielen und heute dann endlich mein erstes Training im Boys Varsity Team.

Mein respektvolles Erscheinungsbild eines hochgewachsenen Europaeers machte sich gut, viele Leute im Team waren auf Anhieb davon ueberzeugt, dass ich der diesjaehrige Slamdunk-Superstar werden wuerde, eine Illusion, die ich aber schon nach 5 Minuten Training wieder gruendlich ruiniert hatte (Good Job!).
Es stellte sich also heraus, dass ich kaum in der Lage war den Ball zu werfen, ich weiss, das ueberrascht euch jetzt nicht.
Ich hab dann auf jeden Fall von Anfang an alles auf die schlechte deutsche Sportausbildung an den Schulen geschoben und alles funktionierte zu meiner grossen Ueberraschung wunderbar.

Der Coach ist ein kleiner, recht muskuloeser Mann, der mit einer ueberragend lauten Bruellstimme ausgestattet ist, die er nach jahrelanger Uebung im Ernstfall sowie in netten Gespraechen klangvoll zum Einsatz bringen kann (und tut).

Das Team besteht aus relativ grossen und erfahrenden Basketballspielern, von denen ich doch ganze 2 Leute aus meinem Fussballteam kenne.

Das Training besteht aus rennen, werfen, rennen, werfen, rennen beim werfen, werfen beim rennen und Erschoepfung bis zum Verlust der Muttersprache.

Was fuer eine glanzvolle Ueberleitung! Wie ihr an diesen Zeilen erkennen koennt, hab ich das Training erfolgreich ueberlebt, hoechstwahrscheinlich deshalb, weil ich nach 2 Monaten Fussballtraining einfach mehr abkann. Tolles Gefuehl nebenbei gesagt.

Der Coach stellte sich als ein ganz nette Mensch heraus, der mir mit viel Gedult die Basketballgrundlagen beibebogen hat (oder es immernoch tut/versucht).

Das Team ist ein tolles, nettes Team, die akzeptieren, dass ich das nicht wunderbar kann, eine Einstellung, die mir in Deutschland so noch nicht untergekommen ist.

Auf eine erfolgreiche Saison!

In diesem Sinne,

Lars


26.10.02

11.40, kurz vor der Zeitumstellung

Wollt ich euch doch gerade wieder einen vorsuelzen, was ich denn tolles mache und wie ungeheur unabhaengig ich mir vorkomme, dass ich jetzt meine Waesche selber wasche, mein Essen fuer die Schule mache und lerne meine Zeit einzuteilen, als ploetzlich der Summer im Keller summt, ich aufspringe und meinen Kram aus der Waschmaschine zu holen um festzustellen, dass ich ein Taschentuch in ener Hosentasche vergessen hab, welches jetzt in 100 lustig klebenden Kleinteilchen in einem erstaunlich schickem Muster meiner Kleidung verteilt ist. Ich verbringe also 10 Minuten mit dem Zupfen meiner Kleidung, renne wieder nach oben, loesche alles bisher geschriebende und bin so frustriert, dass ich nicht anderes schreiben moechte.

Euch noch nen schoenen Tag,

Lars


19.10.02

Klick.
Mit dem simplen Dreucken eines noch simpleren Toasterschalters eroeffnet sich mir, als Amerikaner-fuer-ein-Jahr, die fantastische Welt amerikanischer Speisenzubereitung.
Einen weiteren Klick, wenige Minuten spaeter befoerdert je nach Input eine Himbeerwaffel, einen vorgeschnittenen Bagel oder eine art Blaetterteich-Kaese-Schinken-Omlett zutage.

Ich sass heute morgen im Halbschlaf am Fruehstueckstishc und mampfte still ein paar Kellogs Amerika Propaganda Cornflakes, als mir ploetzlich klar wurde, dass ich seit gut und gerne 2 Monaten kein kochendes Wasser mehr gesehen, dafuer aber taeglich mindestens 10 Mal dem zarten, dreifachen Piepen der Mikrowelle lausche.

Hab ich doch neulich in einem Anflug von Bewusstsein meiner deutschen Staatsbuergerschaft einen Kartoffelsalat gemacht. Ja, ich. Der Junge, der nicht mal Fruehlingsrollen auftauen kann, ohne das ganze Haus nach angebranntem Fett stinken zu lassen (manche von euch erinnern sich sicher an diese Geschichte).

Nachdem ich die Basisproblematik “Gemuesenamen” unter Zuhilfenahme meines Dictionarys erfolgreich geloest hatte ging es ans Kartoffelnmachen. Grundsaetzlich kein Problem fuer 5-Sterne-Koch Lars: Topf, Wasser rein, Kartoffeln rein, Herd anmachen, warten, Kartoffeln aus dem kochenden Wasser nehmen, verbrannte Finger kuehlen, nach Mami rufen und heisse Toepfe verfluchen.
Hatt ich die Rechnung jedoch ohne die Mikrowelle gemacht, die in der Skala meisst genutzter Haushaltsgeraete mit dem Telefon um die Fuehrungsposition ringt.
Kartofflen in die Mikrowelle, warten, Kartoffeln rausnehmen, wieder reintun, wieder warten etc. bis sie schliesslich durch sind. Soll nochmal jemand sagen, ich wuerd hier nix lernen.

Die Mikrowelle ist neben dem Toaster zu meinem besten Freund geworden, insbesondere, was das Fruehstueck betrifft.
In dem Land der Free und dem Home der Brave kann man naemlich so gut wie alles instant, geforen oder wie auch immer kaufen, von Zeit zu Zeit bricht dann also mein Forscherinstinkt aus, ich schleiche mit wachsamem Blicke durchs Haus, bis ich eine bunte Packung mit “Instant”- oder “Please Toast”-Aufdruck finde.
Jetzt heisst es in erster Linie nicht auf die Kalorien zu achten, sondern mit kindischer Freude, die Packung aufzureissen, bei Bedarf Wasser hinzuzufuegen und in die Mikrowelle zu stellen. Nachdem ich auf den grossen, bunten Power-Knopfe gedruckt und meine Nase fuer ein paar Minuten an der Glasscheibe plattdruecke geht ein faszinierer Prozess vonstatten: Das undefinierbare Instant-Wasaucimmer-Wasser Gemisch quillt auf und wird zu einer zaehen breiigen Masse mit dem Geschmack von frischem Haferschleim an Apfel und Zimt.
Loeffel rein und geniessen, was uns in Deutschland fehlt, aber niemandem bewusst ist.

Schliesst jetzt eure Augen und denkt an ein romantisches Dinner bei Kerzenschein auf eine Bruecke, sagen wir, wie in der Pizza Restaurante Reklame. Irgendwo im Hintergrund nudelt “Santa Lucia”, eine leichte Sommerbrise bewegt die von Lilienduft angereicherte Luft. Ein attraktiver junger Mann laechelt seine noch attraktivere junge Verlobte an, die jerade die Augen schliesst und mit vor Vorfreude verzerrtem Gesicht in ihren Burger King Doppel Whopper beisst, dass die Sosse nur so durch die Gegend spritzt.

In der Tat mag jeder, der einmal einen Schritt in eine McDonalds Filiale gesetzt und genuesslich den Duft von 3 Tage altem Frittierfett direkt durch die Nasenschleimhaut inhaliert hat denken:
“Hmm, wenn dies in kulinarischer Hinsicht alles ist, was die Nation, die “Drive thru”, Weltraumforschung und den Begriff der “Achse des Boesen” je hervorgebracht hat, dann moecht ich garnicht wissen, was im Durchschnittshaushalt zu Mittag gegessen wird.”

Soweit ich das beurteilen kann, wird Uncle Sams Nation in der Hinsicht aber Unrecht getan.
Ich hab ja neulich schon geschrieben, dass ich seit 2 Monaten mein Gewicht gehalten hab, und das nicht dadurch,dass ich auf eine Huettenkaese-Zucchini-Diaet umgestiegen bin, sondern, dass hier fuer unsere europaeischen Verhaeltnisse relativ normal gekocht wird: frische Gemuesekost, mal Fleisch, mal Nudeln, mal Brot dazu, mal panierter Fisch etc. ppp.

Soweit zu meinen Gedanken ueber die amerikanische Kueche, wohl bekommts,

Lars


14.10.02

Sitz ich doch gerade hier am Ende meines freien Montages und schalte aus langeweile ICQ an.

Ploetzlich kommt eine andere Austauschschuelerin, die derzeit in Idaho lebt, online und erzaehlt mir von ihrerem Leben da und das alles so viel besser sei, dass sie gar nicht wieder weg wolle.

Ein paar Minuten spaeter checke ich meinen Mailaccount und habe eine Email von einer anderen Austauschschuelerin bekommen, die mit allem drum und dran sowie ps. in einer seperaten Mail haarklein ihr Leben beschriebt.
Waehrend ich das ganze also lese bekomm ich ein schlechtes gewissen, dass ich seit fast 3 Wochen kaum noch Emails an Freunde geschrieben hab, was ja nix besonderes waere, haette ich nicht auch vergessen in der ganzen Zeit mal was auf meiner Homepage zu posten um euch, wie ich irgendwo da oben in grossen Worten angekuendigt habe, “auf dem Laufenden zu halten.”

6, setzen. Der anonyme Austauschschueler irgendwo da drueben hat uns vergessen. Wir sind ihm egal. Vielleicht hat er angefangen sich ein Halloweenkostuem zu naehen. Vielleicht hat er nach wochemlangen Ersatzbankwaermen eine Chance beim Fussball gekriegt und der gegnerischen Mannschaft nach 2 Minuten Spielzeit ein Tor reingeknallt und verbringt jetzt all seine Freizeit mit dem Trainieren und dem Bewundertwerden. Vielleicht hat er das BurgerKing 99 cent Menu fuer sich entdeckt, fruehstueckt jeden morgen einen Cheeseburger und ist mittlerweile so fett, dass er nicht mehr zwischen Stuhl un Computertisch passt und mit seinen Wurstfingern nicht mehr tippen kann. Vielleicht macht er sich seinen deutschen Akzent zunutze um sich ein amerikanisches Maedel nach dem anderen anzulachen. Und will nie wieder nach hause. Bah. Deutschland.

Erinnern wir uns zurueck: Klein Larsi hat nach einer atemberaubenden Odyssee seine Gastfamilie in Rochester, NY erreicht und hatte gerade angefangen sich einzuleben, in der Schule den Mitschuelern literally die Wurst vom Brot zu ziehen, sprich gut und eingebildet zu werden, als ploetzlich der Kontakt abbrach.

Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Fangen wir mit schulischen Hocheventen an, da ich z.zt. nur von einem zu berichten hab: Homecoming.
Fuer die nicht-Amerikaner unter uns: Hoemcoming ist im Prinzip ein Tag, an dem saemtliche Schulmannschaften an der Schule gegen eine andere Schule spielen und die unsportlichen Mitschueler sowie die Eltern (nicht zwangsweise unsportlich) daneben stehen und zugucken.

Das mag sich recht unspektakulaer anhoeren, es wird aber jede Menge daraus gemacht, beispielsweise werden alle Spieler der Teams namentlich aufgerufen und bejubelt, anschliessend der Blick gen star-sprangled banner gerichtet, Haendchen auf Herz gelegt und die Nationalhymne getraellert. Herrlisch.

Wir hatten zum Homecoming in meterologishcer Hinsicht wieder einmal Glueck und gutes Wetter, sagen wir mal Sonne und 20 grad, nahezu perfekt zum spielen also.

Wie ja mittlerweile jeder wissne soillte, bin ich in dem Finney Soccer Team und war insofern etwas besonders, als dass ich nicht mit dme Rest der Schule zusammen das Fussballspiel anguckte, sondern von der Ersatzbank, was das Ganze natuerlich wesentlich dramatischer macht, man koennte ja eingewechselt werden.
Wenn man denn gut in Fussball waere :D
Unser Spiel verlief ganz gut, nachdem die gegnerische Mannschaft gleich nach Anfang der 90 Minuten gescored hatte, schaffte unser Mannschaftskapitaen in der zweiten Halbzeit den 3-fachen Ausgleich, rettete das Homecoming fuer die Schule und motivierte den Coach anscheinend, mal auf der Ersatzbank was zu bewegen.
Ich sitz also nichts Boeses ahnend da, als er sich ploetzlich mit den bewegenden Worten “Lars, I want you on top!” umdreht und meine heimlichsten Fussballertraeume ploetzlich in Erfuellung gingen.
Ich wurde also unter (kein Witz) tosendem Beifall eingewechselt, spielte 20 Minuten bis zum Schlusspfiff und ging mit dem wohl breitesten Grinsen der Weltgeschichte vom Feld, ein wahrlich bewegender Moment fuer mich. Haett ich mal das “Sport-Gott” T-Shirt mitgenommen, ehrlich.

Das lustigste daran war eigentlich, dass ich auf der recht kleinen Schule allen Leuten und sogar manchen Eltern bekannt bin, und merkwuerdigerweise sich in kuerzester Zeit wieder rumgesprochen hatte, dass ich zwar im Fussballteam sei, aber vorher noch nie gespielt hatte.
(Egal wo ich bin, irgend jemand scheint mir immer ein in allen Sprachen der Welt bedrucketen Zettel mit der Aufschrift: “Hallo, ich bin Lars und schlecht in Volleyball. Bitte schliesst daraus, dass ich in allen anderen Sportarten ein Versager bin” auf den Ruecken geklebt zu haben :D)

Das Ganze kam mir dann aber zum ersten Mal in meinem Leben zugute, als dass mir von allen Seiten auf die Schulter geklopft und zu meinem gutem Spielen gratuliert wurde. “Wow, you almost scored!”

Auf alle Faelle ein Erlebnis.

Grundsaetzlich muss ich ja sagen, dass ich vom Fussball nicht so viel erwartet haette. Als ich Deutschland verlassen hab meinten alle Handbuecher “Treib Sport”, meinte meine Schwester “Du wirst fett!”, insofern kombinierte ich shcnell, dass ich besser Sport treiben sollte um nicht fett zu werden.
Doppelter Erfolg. Zum einen kann ich stolz verkuenden, dass ich bisher mein Gewicht gehalten hab (immernoch so duenn wie vorher) und zum anderen, dass das Fussballtraining trotz des stundenlangen Herumrennes richtig Spass bringt, ich lerne nette Leute kennen, machen Erfahrungen in der Hinsicht wie dreckig man und wie kalt einem wird, wenn man bei stroemendem Regen (hier regnets selten, aber wenn, dann richtig) 90 Minuten lang in t-Shirt und kurzer Hose einem Ball ueber ein matschiges Feld hinterherrennt. Ich haette wirklich ein Foto von meinem ehemals weissem T-Shirt machen sollen…

Das wars erstmal von heute, melde mich bald wieder,

Lars


26.09.02- 10 Minuten spaeter

Ich habe das ganze gerade noch mal durchgelesen und hab das Gefuehl, dass das ganze hier ein bisschen zu hart klingt, als ob ich mich durch den Tag langweilen wuede und nix zu tun haette.

Das stimmt aber definitiv nicht, ich hab hier jede Menge Spass, ihr kennt ja meine Art zu schreiben, zu uebertreiben und ironisch zu sein :)

Lars


Added 26.09.02

24.9.02
11.15 pm Eastern Daylight Zone- in genau 7 Stunden haemmert mich mein Wecker wach und ich fall mit dme Kopf voran aus dem Bett, reibe meine Augen, guck auf die Uhr, dusche, zieh mich an und schlurfe die Treppe runter, wo mich mein Gastvater, wie jeden morgen zu dieser unchristlichen Zeit super gut gelaunt mit einem froehlichen "Good morning Mr. Lars" begruessen wird.

Das macht mir Angst (das zeitliche, nicht das mit meinem Gastvater :), ich muss also in moeglichst kurzer Zeit wieder so viel wie moeglich schreiben um nicht nur Euch auf dem Laufenden zu halten, sondern
auch so viel Schlaf wie moeglich zu kriegen.

Also, der letzte Eintrag endet mit meiner Englischstunde, die ich zugegebenermassen immernoch im Halbschlaf erlebe. Ich gehe also zu meinem lustig mit Hamburg-Aufklebern und Calvin&Hobbes Comics beklebtem
Locker, schnappe mir mein Spanischbuch und mach mich auf den Weg zum Spanischraum.
Spanisch hab ich dieses Jahr ganz neu angefangen und sitz folgendermassen mit den ganzen Freshmen zusammen, die fuer gute Hausaufgaben noch mit Candy belohnt werden (ich auch :).

Spanisch gestaltete sich zugegebendermassen bisher eher als unspektakulaer, wir lernen neue Vokabeln, beantworten (noch) einfache Fragen und gehen dann wieder, wenn ich da an meine ersten Stunden
Franzoesisch zurueckdenke ist das hier doch eher einfach. (Vielleicht auch weil ich aelter bin als damals in Franzoesisch, aber wer weiss)... fantastico.

In der Hinsicht gut motiviert mach ich mich nach einem kurzen Halt an meinem Locker auf zur Study Hall.

Fuer-Nichtamerikaner: Study Hall ist in gewisser Hinsicht der wahrgewordene Traum des Schuelers:
In der Mitte des Schultagen eine komplette Stunde Zeit angefallende Hausaufgaben endweder selber zu machen oder abzuschreiben, wobei ich zum eher streberhaften selbermachen tendiere, aus dem einfachen Grund, dass niemand anders aus meinem Geschichtskurs je die Hausaufgaben macht und dann im Endeffekt von dem deutschen Austauschschueler abschreibt. (Entbehrt einer gewissen Logik, ich weiss, aber was solls).

Den Rest meiner Study Hall verbring ich meisst damit rumzusitzen, mich mit anderen zu unterhalten und mein am Tag zuvor prepariertes Lunch zu essen, zugegebenermassen eher bloed, weil ich in der darauffolgenden Lunchbreak nix mehr zu essen hab, waehrend der Rest der Schule lustig am schnabulieren ist und der Duft von Frischbestellter Pizza durch die
Cafeteria schwebt.

Andere Moeglichkeit ist, dass ich garnicht erst was zu essen mitnehme und dann waehrend der Lunchbreak mit anderen Senior (12.-Klaesslern) das Gelaende verlasse um ein Fast-Food-Restaurant, eine Bagel-Baeckerei
o.ae. aufzusuchen.

Meine Gastmutter meine jetzt zum zweiten Mal, dass es
11.30 sei und ich besser ins Bett gehen sollte, wenn
ich morgen nicht wieder bis... "25 off" "He has
coffee, he doesn't needs sleep" "Right"

However, ich geh jetzt erstmal schlafen, morgen
waehrend Computer Graphics oder Advanced Computer
schreib ich dann weiter, gute Nacht.

Guten Morgen!
Ich sitze gerade in Computer Graphics und habe damit ohne viel nachdenken zu muessen auch schon eine Ueberleitung zu meiner neusten Fachbeschreibung:
Computer Graphics. Wie die Meisten von euch ja wissen sollten, hab ich schon oefters mal mit Photoshop gearbeitet, was mir hier enorm zugute kommt. Heute bin ich dann endlich mit dem letzten Assignment fertig geworden: Baue aus bestimmten Symbolen eien abstrakten Comicstrip. Kling recht bloede, war es auch, bin gespannt, was als naechstes kommt :)

Als naechstes nach Computer Graphics kommt auf jeden Fall in der Schule immer Advanced Computer (ihr seht schon, ich hab versucht mir das Leben einfach zu machen), wo ich eigentlich nur rumsitze und Zeit zum Homepageaktuallsieren habe, waherend die anderen lernen, wie man die Windows Netzwerkumgebung benutzt.

Anschliessend hab ich American History, vom Schwierigkeitsgrad her mein Lieblingsfach: Ich sitze inmitten von 12 weiteren Amerikanern, die, als im Himmel das Kurzzeitgedaechnis verteilt wurde wahrscheinlich vergessen haben den Arm zu heben. Das klingt fies, und ich hab Angst einer koennte deutsch lernen, alles lesen und mir Probleme bereiten, aber ich bin heute mal mutig und behaupte ganz frech, der einzige in der Klasse zu sein, der sich merken kann, was wir als Hausaufgabe im Buch lesen zu hatten (und die anderen machen ihre Hausaufgaben, schliesslich beantworten sie immer die Fragen auf den Arbeitsblaettern als Hausaufgabe).

Viellecht tue ich ihnen unrecht, nett siend sie zumindest fast alle, in der Hinsicht kann ich mich nicht beklagen.

Mit dieser fantastischen Erfahrung endet dann mein Schultag, ich gehe zu meinem Locker, schliesse meinen Kram weg und hab gut 45 Minuten Zeit mit anderen
Leuten zu Starbucks zu gehen, rumzusitzen (der Kaffee ist zu teuer) und mich mit den anderen zu unterhalten, bis ich dann irgendwann auf die Uhr gucke und feststelle, dass in 20 Minuten mein Fussballtraining anfaengt.

Wir gehen also zurueck zur Schule, ich zieh mir meine Sportsachen, Schienbeinschoner und Fussballschuhe an und hab, ganz schlicht gesagt, Training.

Unser Coach ist vielleicht 30 aber nicht viel aelter, war frueher auch Fussballspieler und versteht es uns nach allen Regeln der Kunst durch die Gegend zu scheuchen, Dribbling ueben zu lassen etc.
Das ganze ist bestimmt das haerteste Training, was ich je gehabt habe, 2 Stunden, 30 Minuten lang, unterbrochen von 2 Wasserpausen a la 5 Minuten. Und das jeden Tag, ausser wir haben ein Spiel. Trotzdem macht es irgendwie Spass, man lernt halt ne Menge
Leute kennen, redet Englisch und erfaehrt den enormen Teamgeist, der die Mannschaft ausmacht.

Abgesehen davon, dass ich jedes Mal komplett am Ende bin und mich mit Verletzungen und Muskelkater (am ersten Morgen nach dem Traing konnt ich meine Beine
nicht mehr bewegen, ich Lappen :) herumschlagen muss ist es echt ein tolles Erlebnis (ich hoer mich an wie mein Austauschhandbuch...).

Der (Wochen)Tag isr damit fuer mich im Prinzip zu Ende, ich werd von der Schule abgeholt, unterhalt mich mit einem Gastelternteil im Auto (je nachdem wer mich
abhgeholt ha), komm nach Hause, dusche, ess Supper und verbringe den Rest des Tages entweder mit dem Ausraeumen der Geschirrspuelmaschine (kann ich bald im
Schlaf :), dem Waschen meiner Waesche (alle 2 Tage Fussballsocken, hab nur 2 Paar), dem Schrieben von Emails oder ich spiel Scrabbel oder Dutch Romme mit meiner Gastfamilie, pack daraufhin meine Sache und stehe vor der letzten Herausforderung des Tages: Lunch fuer den naechsten Tag zu machen.

Zu Hause macht das meine Mami *schlurz*, dementsprechd unerfahren muss ich mir jeden Abend was ausdenken.
Mein Lieblingsessen hier sind Bagels, eine Art weiches Broetchen mit Loch drin, schwer zu beschreiben, die ich aber toasten muss. Wenn ich nun am Abend 2 Bagels toaste, mit Frischkaese beschmiere, eintuete und in den Kuehlschrank tue passiert folgendes:

Ich sitze am naechsten Tag hungrig in der Study Hall, mach meine Hausaufgaben
fertig, da faengt die Lunchbreak an. Ich zuecke meine Bageltuete, fummel einen Bagel heraus und beiss in ein nach nichts und Schuhsohle schmeckendes etwas, was zwar
wie ein Bagel aussieht, aber ansonsten wirklich rein garnix mehr damit zu tun hat.
Ich koennte die Bagels ja am Morgen machen, aber irgendwie fehlt mir da nun wirklich die Zeit zu.

Mein Tag ist knapp kalkuliert, anfangs bin ich immer um 6 aufgestanden und dann noch mueder zu sein, mittlerweile bin ich morgens mit am-Abend-zuvor-gepackten-Sachen 15 Minuten schneller, die ich dann auf konsequent im Bett liegen bleibe.
Fuehlt sich besser an, ist aber zeitlich gesehen kuenstlich herbeigefuerter Selbstmord, da ich nun wie ein Bekloppter durchs Haus fegen muss um rechtzeitig fertig zu werden, was mich immerhin aufweckt.

Das wars erstmal mit der Einfuehrung in mein life in america, als naechstes werd ich versuchen die Bilder online zu stellen und dann seh ich mal weiter.


Lars



Und es ging endlich los.

22.8.02, nach Monates des fleissigen Erwartens, Freuens und Bangen um die Gastfamilie sowie Plazierung sitze ich endlich im Flugzeug nach Chicago, wo ich und eine ca. 30 Leute umfassende Gruppe weiterer Austauschschueler zunaechst 2 Tage Seminar in einem Hotel haben sollten.

Das Seminar stellte sich schliesslich als eine Sighseeing Tour durch Chicago heraus, wo wir trotz des ekligen Wetters den Sears Tower besichtigten, oben fuer 10 Minuten raus in die Wolken guckten und ich schliesslich ein Foto von einer Postkarte im Foyer machen musste um damit andere Leute zu beeindrucken, die aus Hoehenangst o.ae. nicht mit oben waren. Am
selben Tag gings dann auf eine Bootstour auf dem Lake Michigan, wo sich schliesslich die Wolken ein bisschen lichteten und die Skyline von Chicago zum Vorschein kam.

Weiter gings zum Hard Rock Cafe, auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Halt an der Buckingham Fountain (bekannt aus "Eine schrecklich netteFamilie"), die zwar ganz nett anzusehen war, sich jedoch fast alle um ein kleines Kaninchen versammelten, was es aus irgend einem unerfindlichen Grund mitten in die Stadt geschafft hatte und nun auf einem kleinen Gruenstreifen an der Buckingham Fountain sass.

Weiter gings ins Hard Rock Cafe, wo ich den mit Abstand ekligsten Salat meines Lebens gegessen habe und das ganze auch durch Britney Spears-Beschallung dauerhaft in Erinnerung behalten werde :)

Der grosse Tag kam dann aber doch schneller als erwartet, ehe wir uns versahen hiess es Abschied nehmen von den anderen Austauschschuelern, Ticket zeigen, Koffer scannen, Gate suchen und warten. Ich sass dann mit einem Trupp anderer Austauschschuler zusammen auf dem Chicago Airport, bis mein Flug nach Rochester aufgerufen wurde. Immerhin sollte ich nicht alleine Fliegen sondern ein anderes Maedchen :), die von dem Flugbegleiter fuer meine Schwester gehalten wurde flog mit mir.

Man hat sich das dann folgendermassen vorzustellen, wir itzen im fast leeren Flugzeug und versuchen uns gegenseitig einzureden, dass wir kein Stueck nervoes sind, was sich dann aber nach 5 Minuten als vergeblich herausstellte. Uns gegenseitig motivierend "Was machst du, wenn die Familie nicht da ist" "Ich weiss nicht mal, wie sie aussehen" "Ich kenn jemanden, der Stunden auf die Familie warten musste" genossen wir die letzten paar Minuten in unserer Muttersprache und kamen dem Rochester Airport immer naeher.Schliesslich waren wir da, stiegen aus dem Flugzeug, liefen zum Ende des Terminals, wo dann meine Familie auf mich wartete, die ich dank der Bilder auch sofort erkannte.

Entgegen meiner Erwartungen "Hey Lars welcome in America!" "Oehm oeh." kam ich doch auf anhieb gut mit der Sprache klar und habe auch bis jetzt bis auf kleine Verwechselungenzwischen "much" und "many" nie so wirklich Probleme gehabt.

Froehlich mit der Gastfamilie ueber belanglose Dinge plaudernd gings dann in das Haus, was fuer die naechsten 10 Monate mein Zuhause darstellen sollte.

Wie manche Leute ja wissen sollten, habe ich hier keine Gastgeschwister sondern lebe nur mit Gastmami und Gastpapi zusammen, was insofern ganz positiv ist,
dass ich den kompletten Dachboden des Hauses, (2 Zimmer, Flur und Badezimmer" fuer mich allein habeund sogar die Moebel nach Belieben umstellen darf (Was ich ja immer gerne mal mache).

In den naechsten Wochen, bevor die Schule anfing lebte ich mich dann erstmal hier ein, lernte die Familie kennen, vertrieb mir ne Menge Zeit mit dem ausraeumen der Geschirrspuelmaschine und dem im-Garten-sitzen-und-Calvin&Hobbes-Comics-lesen, bis dann schliesslich die Schule anfing.

Wir hatten schon im vornherein eine Liste bekomme, was fuer die einzelnen Faecher zu besorgen sei, mein Lieblingsfach Mathe brauchte einen 90$ teueren Taschenrechner, was ich dann zum Anlass nahm weder Mathe sondern auch keine andere Naturwissenschaft zu belegen (gut Ausrede, wa?) und mir das Leben in der Hinsicht einfacher zu machen.

Mein derzeitiger Stundenplan ist amerika-typisch jedne Tag derselbe, los gehts mit 10 Minuten Homeroom, wo zunaechst die Announcemente verlesen, Essen bestellt
(jaa, ich kann mir ne Pizza in die Schule liefern lassen :) und anschliessen Prayer Requests losgelassen werden. Durch die christliche Schule und die grundsatzlich recht christlichen Ansichten der Amerikaner scheint es wohl unter den Schueler ueblich zu sein fuer den kleinsten Bloedsinn zu beten "My right toe hurts" "God bless the Boys Football Team"...

Nach dem Homeroom gehts dann ab zur Bible Class, wo ich als Senior das Thema "Worldvies", basicially "Christentum versus The Rest", unterrichtet werde, das ganze ist ganz interessant, aber mehr auch nicht. Jeden Donnerstag hab ich anstatt Bible Health, ich dachte da in erste Linie dran, dass eine lustiger
Gemuesegaertner den Fastfoodgewoehnten amierkanischen Jugendlichen die freuden des Kuerbispflanzes naeherbringt und ich als smarter Europaeer, der schon mal Schnittlauch gesehen hat, absolut der Beste bin.


Aber nix. Erste Stunde Health kommt unsere Lehrerin rein und bleut uns ein, dass die Gesundheit in erster Linie von der spirituellen Gesundheit, sprich einer "strong relationship with god" abhaengt.
Trotzdem kommt mir das Europaeer-Dasein hier zugute, da ich als einziger in meiner letzten Hausaufgabe nicht die Schoepfungsgeschichte der Bibel verteidigt,
sondern eine Vergleich und eine Abwaegung zwischen dem und der darwinschen Evolutionstheorie geschrieben hab, das ganze dann acuh noch vorlesen musste und nicht, wie erwartet im nachhinein von einer christlichen Rowdiegruppe zusammengeschlagen zu werden, sondern von nun an als intelligent angesehen werde. Ich! :D

Wer bis hier durchgehalten hat und immernoch interessiert ist, wie mein Schultag weitergeht, der kriegt jetzt etwas ueber die Freuden des Englischunterrichtes zu hoeren.
An meinem ersten Schultag meinte der Guidance Councellour (ja, es gibt sie wirklich), dass ich wohl besser English 11 nehmen sollte, anstatt English 12.
Das ist in der Hinsicht ganz positiv, dass ich nicht nur Seniors, sondern auch Juniors kennenlerne (aber ich glaub auf der recht kleinen Schule kennt mittlerweile eh jeder den deutschen
Austauschschueler...).

Auf jeden Fall laeuft auch Englisch bisher ganz gut, ich war letzte Woche der einzige, der in einem Test ueber ein Buch, was ich aus Zeitmangel nicht mal
vollstaendig gelesen hatte, volle Punktzahl bekam, was zu einer einormen Steigerung meines Selbstwergefuehles beitrug ;)

Nach Englisch hab ich dann Spanisch, womit ich bisher auch ganz gut klarkomme, wir haben aber auch noch nicht wirklich viel gemacht. Ehrlich gesagt bin ich jetzt zu erschoepft vom Tippen, also gibts nacheste Woche in der Maus:


-Lars' toller Schultag zweiter Teil
-Lars' sportliche Aktivitaeten
-Lars' fantastischer Tagesablauf (mit
Bilddokumentation zur Verdeutlichung)
-Lars' bloede Antworten auf noch bloedere Fragen
-Lars' und der Wal-Mart Greeter (eine Feindschaft,
dies in sich hat)
-Und noch viel mehr :)))

Wie ihr seht, gibts noch Unmengen fuer mich zu schreiben, ich hab tonnenweise Bilder gemacht, wovon es demnaechst auch noch auch welche zu sehen gibt und ich hoffe natuerlich auf eure positive Resonanz :)

So long, Jesus hat euch lieb :), Gruesse aus Amerika
und ein schoenes Leben noch ;P,

Lars :)